England verliert gegen japan: tuchel braucht antworten statt titelträume

England hat gegen Japan verloren. Nicht nur das: Die Three Lions haben gerade ihre erste Niederlage gegen eine asiatische Mannschaft kassiert. Das 0:1 in der Wembley-Arena war kein Ausrutscher, sondern ein Warnsignal – und zwar laut genug, dass es die Fans bis in die letzte Reihe erreichte.

Die Pfiffe nach Abpfiff galten nicht nur der Mannschaft, sondern auch dem Mann auf der Bank: Thomas Tuchel. Der Nationaltrainer, der erst seit Januar im Amt ist, musste sich fragen lassen, wie er eine Mannschaft mit dem wohl teuren Kader Europas so planlos wirken lassen will. Dabei hatte das Spiel eigentlich die WM-Stimmung anfachen sollen. Stattdessen herrschte nach 90 Minuten ein Gefühl zwischen Ratlosigkeit und Wut.

Die erste halbzeit war ein offenbarungseid

England schoss in den ersten 45 Minuten keinen einzigen Ball aufs Tor. Das ist kein Schreibfehler. Kein einziger Schuss. Zum ersten Mal seit 2017, damals gegen Deutschland, blieb die Offensive der Three Lions komplett wirkungslos. Ohne Harry Kane, der mit einer Muskelverletzung ausfällt, wirkte das Spiel nach vorne wie ein Puzzle mit fehlenden Teilen. Ko Itakura und Takefusa Kubo liefen sich in der britischen Hälfe warm, während Englands Mittelfeld um Jude Bellingham und Cole Palmer mit Ballverlusten glänzte.

Der Gegentreffer fiel bereits in der 24. Minute. Palmer ließ sich im Mittelfeld zu leicht abluchsen, Japan schaltete um wie eine Maschine. Kaoru Mitoma stand am Ende der Kombination, trocken verwandelte er zur 1:0-Führung. Was danach folgte, war kein Aufbäumen, sondern ein zahnloses Drauflosspielen. Tuchel stand regungslos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke – und wirkte so, als würde er ein Experiment beobachten, das bereits schiefgeht.

Marc guehi spricht von realismus, die statistiken sprechen eine andere sprache

Marc guehi spricht von realismus, die statistiken sprechen eine andere sprache

Marc Guehi, erstmals als Kapitän aufgelaufen, versuchte nach dem Spiel, die Stimmung zu dämpfen. „Wir müssen realistisch bleiben“, sagte er in die Mikrofone von ITV. Realistisch? Die Statistik sagt: England hat unter Tuchel jetzt schon zwei historische Niederlagen eingesteckt – die erste gegen ein afrikanisches Team (Senegal 2025), nun die erste gegen ein asiatisches. Beide Spiele fanden im eigenen Land statt. Beide Male war die Analyse nach dem Spiel ähnlich: zu wenig Druck, zu viel Ballverlust, keine Ideen im letzten Drittel.

Die Tatsache, dass England auch schon vier Tage zuvor gegen Uruguay nicht über ein 1:1 hinausgekommen ist, macht die Lage nicht besser. Die Kritik wird lauter, die Fragen drängender: Wie will Tuchel eine WM-Truppe formen, die nicht einmal in Testspielen überzeugt? Wer ersetzt凯恩 in der Zentrale? Und warum wirkt ein Kader voller Stars plötzlich wie eine Ansammlung von Einzelkämpfern?

Die Antworten bleiben aus. Stattdessen steht der Trainer vor der nächsten Pressekonferenz, wieder mit dem Blick auf die Tabelle, die momentan keinen Trost spendet. Die WM in den USA rückt näher. Und mit jedem Spiel wie diesem wird der Traum vom Titel ein Stück unwirklicher. Die Fans haben bereits ihre Meinung gebildet – und die klang bei Abpfiff eindeutig.