Janßen raus, stotz rein: sandhausen zieht die notbremse
Olaf Janßen ist weg. Nach nur einem halben Jahr und einer Serie von sieben Spielen ohne Sieg hat der SV Sandhausen die Reißleine gezogen. Der 59-Jährige muss den Regionalligisten mit sofortiger Wirkung verlassen, sein Co-Trainer Dominik Idel-Peters folgt ihm. Die Nachfolge übernimmt Kevin Stotz – bisher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, nun Interimscoach bis Saisonende.
Das 0:2 in offenbach war die letzte patsche
Die Entscheidung fiel, wie so oft, nach einer Niederlage mit Geschmack von Bitterkeit. Das 0:2 beim Krisenduell in Offenbach war das vierte Spiel in Folge ohne eigenen Treffer – und das siebte ohne Dreier. Die Tabelle spricht eine deutliche Sprache: Sandhausen rangiert nur zwei Punkte über dem Strich, die Hoffnung auf einen schnellen Wiederaufstieg ist längst verflogen. Anthony Loviso, Sportdirektor des SVS, formuliert es diplomatenhaft, doch die Kernaussage ist hart: „Der erhoffte Fortschritt ist ausgeblieben.“
Janßen selbst zeigt sich in seinem Abschiedsstatement enttäuscht, aber nicht verbittert. „Mit dem Start in die Rückrude durften wir die Augen vor der Entwicklung nicht verschließen“, gibt er zu. Der Trainer hatte den Klub im Sommer übernommen, nachdem der Abstieg aus der 3. Liga eine Mannschaft zerschlagen hatte. Viele Neue kamen, wenig blieb – und das Ergebnis ist ein Konstrukt, das bislang nicht funktioniert.

Kevin stotz bekommt den karren aus dem dreck
Stotz ist kein Unbekannter in der Region. Der 39-Jährige war früher Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim, arbeitete mit Felix Magath in China und betreute später Talente beim FC Bayern München. In den USA sammelte er Erfahrung als Cheftrainer, in Deutschland war er zuletzt bei Waldhof Mannheim und dem FK Pirmasens im Fach. Nun soll er innerhalb von neun Spieltagen die Restelf aus dem Tabellenkeller führen. Mit an Bord: Benjamin Sachs, neuer Co-Trainer und bisheriger Analyst des Klubs.
Die Aufgabe ist rau: Sandhausen hat nur 20 Tore erzielt, kassiert aber 31. Die Defensive wirkt desorganisiert, die Offensive ideenlos. Stotz muss schnell eine Balance finden – und das ohne Winterzugänge. Die Lizenzperiode ist vorbei, der Kader steht. Es wird ein Tanz auf dem Vulkan.
Für Janßen bedeutet das Aus den vorläufigen Endpunkt einer Karriere, die einst mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga begann. Für Sandhausen ist es der nächste Neuanfang in einer Saison, die eigentlich der alte sein sollte. Bleibt die Frage: Reicht Stotz’ Erfahrung, um das Ruder herumzureißen? Die Antwort kommt am Sonntag, wenn der SVS auf den Tabellenzweiten TSG Balingen trifft. Ein Punkt wäre schon ein kleiner Befreiungsschlag. Aber die Liga wartet nicht – und der Abstiegsstrudel wird mit jedem Spieltag schwarzer.
