U-23-frauen ziehen nach spanien – belgien wartet gleich doppelt

Murcia wird zum Mini-WM-Camp: Michael Urbansky nimmt seine 23 Auswahlfrauen mit an die Costa Cálida, wo sie binnen fünf Tagen zweimal gegen Belgien antreten – und damit den Fehlstart in die letzte Quali-Phase vergessen machen wollen. Die Devise lautet: Tempo, Tempo, Tempo. Denn wer am Dienstag um 19 Uhr im Estadio Nueva Condomina trifft, der trifft am Samstag gleich noch mal – nur dass dann Italien oder Portugal im Halbfinale der „Murcia-Trophy“ warten.

Bayer-kolonne und freiburger feuerwerk

Im Kader dominiert die Werkself: fünf Feldspielerinnen plus die auf Abruf bereitstehende Stammkeeperin Rafaela Borggräfe. Leverkusen liefert damit das größte Kontingent, während der SC Freiburg nur eine einzige Akteurin in den festen Kreis schickt – dafür ist es Luca Birkholz, die im März beim 4:2 gegen dieselben Belgierinnen einen Hattrick jagte. Urbansky stellte sie sofort wieder aufs Schild, doch die restlichen sieben Freiburgerinnen bleiben auf Abruf. Ein Signal: Leistung schlägt Herkunft.

Die Abruf-Liste liest sich wie das Who-is-Who des Jahrgangs 2000. Marleen Schimmer (Leipzig) und Anneke Borbe (Arsenal), beide erstmals Champions-League-Viertelfinale-Luft geschnupft, könnten per Knopfdruck nachrücken. Urbansky will Flexibilität statt Festlegung – und er kann es sich leisten: Im Tor stehen bereits Maria Luisa Grohs (Bayern) und Laura Dick (Hoffenheim), hintenraus also kein Talent-Engpass, sondern ein Qualitäts-Pool.

Belgien als gradmesser – und als pfund

Belgien als gradmesser – und als pfund

Der Gegner ist bekannt, die Aufgabe neu. Die Roten Teufeln verloren zuletzt mit 2:4, doch sie kamen zwischen der 70. und 85. Minute noch mal auf 2:3 heran. Urbansky hat die Videoanalyse geschluckt, jetzt verlangt er eine „120-Minuten-Mentalität“. Wer da nicht mitzieht, fliegt raus – so einfach ist die Rechnung. Die belgische U-23 hat sich in den letzten Monaten auf physisch robustes Mittelfeldspiel eingeschossen; genau dort will Urbansky mit Loreen Bender und Katharina Piljic vom Ballbesitz-Modus umschalten auf Schnellvorstoss.

Ein Sieg am Dienstag sichert nicht nur Finale-Kerosin, er schiebt Deutschland auch auf Rang zwei der U-23-Weltrangliste vor – ein Detail, das innerhalb der Mannschaft zirkuliert, aber keiner laut ausspricht. Die Spielerinnen wissen: Jede Minute zählt im Kampf um den Olympia-Zuschlag 2028. Der Bundestrainer wird deshalb wechseln, rotieren, testen – und dabei trotzdem gewinnen wollen.

Der plan nach dem doppelpack

Der plan nach dem doppelpack

Steht der Einzug ins Finale, fliegt die Mannschaft nicht heim, sonsten schon. Der DFB spart Quartierskosten, Spanien liefert die Infrastruktur. Am 16. April geht’s entweder gegen Italien – Stil: Catenaccio-Light – oder Portugal – Stil: Ballzauber-Juniorinnen. Urbansky hat beide Szenarien durchdekliniert, die Mädchen haben die PDFs auf dem Handy. Wer da noch auf Abruf stand, könnte plötzlich von Anfang an ran. Die Tagesordnung lautet: Tore verhindern, Tore erzielen, Rang klettern.

Um 19 Uhr Ortszeit rollt der Ball, 90 Minuten später wissen wir, ob Deutschlands U-23 bereit ist für den nächsten Schritt. Die Antwort liegt in Murcia – und in den Knien von Birkholz, in den Reflexen von Grohs und in der Entschlossenheit einer Mannschaft, die endlich zeigen will, dass der Hattrick vom März kein Zufall war.