Rassismus-vorwurf im brandenburger landespokal: spielabbruch, anzeigen, schande
Ein einzelner Ruf reicht, um ein ganzes Finale zu vergiften. Nach dem Halbfinale des Brandenburger Landespokals zwischen RSV Eintracht Stahnsdorf und VfB Krieschow ermittelt nicht nur der Fußballverband, sondern auch die Polizei wegen rassistischer Beleidigung. Der Vorwurf: Ein Krieschower Zuschauer beleidigte einen Stahnsdorfer Spieler rassistisch. Die Beamten nahmen Personalien auf, zwei Anzeigen liegen vor.

Es begann mit einem tor und endete mit tumulten
Die Partie war dramatisch genug – Elfmeterschießen, Platzsturm, Schlagstock-Einsatz. Doch das, was danach passierte, beschäftigt nun Gerichte und Tribünen gleichermaßen. Etwa 20 bis 30 Krieschower Fans überrannten den Rasen, obwohl laut FLB 38 Ordner im Einsatz waren. Die Security verzichtete offenbar auf die vorgeschriebene Ordnerkette, ein Fehler, der sich in Sekundenschnelle rächt. Videos zeigen, wie Gäste-Fans Barrieren umstürzen, Spieler umringen, Schiedsrichter bedrängen.
Die Polizei bestätigt einen 38-jährigen Tatverdächtigen, der einen 31-Jährigen beleidigt haben soll. Ob der Vorfall tatsächlich rassistisch motiviert war, steht noch nicht fest. Die Antwort auf eine schriftliche Anfrage läuft. Der Brandenburger Fußball-Verband leitete parallel ein Disziplinarverfahren ein und wertet Spielauzeichnungen aus. Die Bilder sind eindeutig: ein Platz, der zur Arena des Hasses wird.
Die Zahlen sind klein, die Wirkung riesig: 512 Zuschauer, einer macht den Unterschied. Der FLB spricht von „mehr als ausreichendem“ Sicherheitspersonal. Die Realität: Eine Lücke reicht, um Fairplay zu Fall zu bringen. Der Vorfall wirft Fragen auf: Wie viel Präsenz braucht es, um Rassismus auf den Rängen zu ersticken? Und wer haftet, wenn Ordner versagen, weil sie nicht mal eine Kette bilden?
Die Ermittlungen laufen, der Pokalsieg steht plötzlich nur noch zweitrangig. Für den Betroffenen ist das Spiel vorbei, der Schmerz bleibt. Für den Fußball ist es ein weiterer Alarmstempel auf einem Formular, das langsam aber sicher zu viele Kreuze trägt.