Janis gailitis kehrt heim: pokalheld wird lettland-coach
Janis Gailitis ist weg vom Parkett, rein ins Nationaltrikot. Der 40-Jährige verläsft Strasbourg SIG mit sofortiger Wirkung und übernimmt die lettische Nationalmannschaft – mitten in der WM-Quali, wo jeder Fehltritt das Katar-Ticket kosten kann.
Ein Schritt, der in Riga für Jubel sorgt und in Weißenfels Erinnerungen wachruft. Denn Gailitis schrieb mit dem Syntainics MBC erst vor wenigen Monaten Geschichte: Pokalsieg, erste Trophäe seit 18 Jahren, danach Ausstieg nach Frankreich – alles in einer Saison.
Der pokal-coup war nur der anfang
Die Final-Four-Tickets in der Paul Horn-Arena waren noch warm, da kündigte Gailitis schon den nächsten Karriereschritt an. Die Klausel im Vertrag erlaubte den Sprung zu Strasbourg, doch die lettische Basketball-Föderation hatte offenbar länger mitgehört. Nach nur vier Länderspielen unter Sito Alonso (1 Sieg, 3 Niederlagen) zogen die Verantwortlichen die Reißleine.
Die Rechnung: Gailitis kennt die lettischen Kaderspieler aus Jugendzeiten, spricht die Sprache und bringt den nötigen Drill. „Eine Ehre und eine Riesenverantwortung“, zitiert ihn der Verband. Für Lettland geht es am 23. Februar in Sarajewo gegen Bosnien um den Anschluss an das Mittelfeld der Gruppe K. Ein Verlust, und die Reise nach Katar wird zum Kraftakt.

Mbc steht vor einem sommer voller fragezeichen
In Weißenfels brodelt es. Ohne Gailitis lief die Saison in Strasbourg holprig, der Pokalsieg wirkt wie aus einem anderen Leben. Sportchef Martin Jost muss nun einen neuen Chef finden, der das schnelle Spiel, die aggressive Verteidigung und die junge Garde um DeWayne Russell und Kevin Wohlrath weiterentwickelt. Die Fans spekulieren auf Predrag Krunic, der die Halle schon kennt, oder auf einen US-Import mit NBA-Erfahrung.
Doch erst einmal droht der Abstiegskampf. Mit 6:10-Bilanz hängt der MBC am sechten Tabellenplatz fest, die Playoffs sind keine Selbstverständlichkeit. Die Ausstiegsklausel Gailitis’ mag damals finanzielle Freiheit gebracht haben – sportlich hinterlässt sie eine Lücke, die größer wirkt als jede Siegessäule.
Lettland holt sich den Sohn, Weißenfels behält die Erinnerung. Und Gailitis? Der sitzt schon wieder im Flieger, diesmal Richtung Balkan, mit Laptop voller Spielanalyse und mit dem Wissen, dass eine ganze Nation ihm den ersten Sieg unter seinem Kommando abverlangt. Die Uhr tickt. Die Quali ist kein Testlauf mehr, sie ist sein erstes Endspiel.
