Italiens basketball-damen zermalmen senegal und buchen ticket für berlin

85:35. Die Zahlen wirken wie ein Tippfehler, doch sie stehen schwarz auf weiß im Protokoll von San Juan. Mit einer Demontage des Senegal haben Cecilia Zandalasini und Co. nicht nur die Zweitplatzierung im Olympia-Quali-Turnier perfekt gemacht, sondern auch ein Exclamation mark hinter den neuen Anspruch der Azzurre gesetzt.

Capobianco: „wir sind hungrig, nicht zufrieden“

Trainer Andrea Capobianco strich sich nach dem Schlusspfiff mit sichtbarem Stolz über den ebenso neuen wie gewagten Blondton seiner Haare. „Ich bin happy, aber nicht satt“, sagte er in die Mikrofone des RAI-Teams. „Die Quali war kein Selbstläufer – das haben andere Top-Teams in diesen Tagen erfahren müssen.“ Gemeint ist Spanien, das gegen Frankreich alt aussah, oder Gastgeber Puerto Rico, der von Tschechien aus dem Turnier gekickt wurde.

Die Italienerinnen dagegen spielten sich in neun Tagen vom Kollektiv der Riesen vom EuroBasket zurück in die Rolle des Jägers. Nach dem Viertelfinal-Aus 2025 wollten sie „nicht wieder nur Applaus für gute Moral kassieren“, wie Capobianco intern formulierte. Also flog der Trainer nach WNBA-Allstar Game und NCAA-Tournament, sprach mit Spielerinnen in Minneapolis und Istanbul, schickte Analysen über WhatsApp und baute ein System, das auf Switch-Everything und Princeton-Cuts beruht. Die Ernte: 5 Siege in 7 Tagen, 74,4 Punkte im Schnitt, 38 % Dreierquote.

Zandalasini führt, cubaj nagelt

Zandalasini führt, cubaj nagelt

Cecilia Zandalasini ist mit 14,0 Punkten Top-Scorerin des Turniers – aber das war zu erwarten. Überraschender war die Entwicklung von Lorela Cubaj: 8,6 Punkte und 6,8 Rebounds pro Partie, dazu die meisten Deflections des gesamten Kaders. „Lorela ist unser Swiss-Army-Knife“, schwärmt Assistenzcoach Luca Di Leva. „Sie deckt 1 bis 5, startet den Break und blockt danach den Center.“

Gegen Senegal brauchten die Azzurre nur einen Gang. Nach dem 26:7 im ersten Viertel war die Partie eine Übung im Halbfeld. Martina Bestagno eröffnete mit einem Step-Back-Three, Chiara Consolini servierte vier Assists in Serie, und die Defense limitierte die Senegal-Forward Aida Fall auf 1/8 aus dem Feld. Schlussstatistik: 28 Ballverluste für Afrika, 21 Fast-Break-Punkte für Italien.

Berlin ruft – und mit ihr die usa

Berlin ruft – und mit ihr die usa

Die Auslosung der Gruppen für die WM vom 4. bis 13. September erfolgt am 21. April im ehemaligen Flughafen Tempelhof. Mit Caitlin Clark, A’ja Wilson und Co. im Fokus der Medien droht Italien ein verfrühtes Achtelfinale-Duell gegen die Goldkandidatin. „Wir haben keine Angst, wir haben Plan A, B und C“, sagt Capobianco und grinst. „Und wenn es sein muss, auch D für Defense.“

Für die Spielerinnen geht es nun zurück in die Liga: EuroLeague Women, LFB, NCAA. Die nächste Lehrgangs-Woche ist erst für August geplant – ein Zeitfenster, das dem Coach Sorge bereitet. „Wir haben 21 Tage, um 21 Systeme einzustudieren, die sonst ganze Saisons brauchen. Aber diese Gruppe trägt Basketball im Herzen, nicht nur im Muskelgedächtnis.“

Die Fans jedenfalls haben sich verliebt – in eine Mannschaft, die nicht mehr nur für „cuore“ steht, sondern für clevere Rotation, moderne Zahlen und einen Edge, den Italien in der Sportwelt lange vermisst hatte. 85:35 war ein Statement. In Berlin will das Team den nächsten Satz schreiben – und der klingt bereits nach Medaillenglanz.