Italien stoppt den gau und jagt lewandowskis letzte wm-chance

Die Azzurri atmen auf, Polen jubelt, der Kosovo schockt die Slowakei – und niemand will 2026 auf der Couch sitzen. Die Playoff-Nacht hat die letzten WM-Tickets verteilt, doch der Preis ist hoch: wer verliert, darf acht Jahre lang nur von USA–Kanada–Mexiko träumen.

Tonali und kean retten gattuso vor dem historischen debakel

Bergamo kochte, aber lange nur vor Nervosität. 0:0 nach 55 Minuten gegen Nordirland, die Defensive der Gäste stand wie ein Betonklotz, und die italischen Lungen schrien nach Sauerstoff. Dann Sandro Tonali – sonst Mittelfeld-Distributor, jetziger Retter – zog aus 18 Metern ab, traf den linken Winkel, und das Stadion explodierte. Mit einem Mal spielten 21 Spieler wie befreit, Moise Kean legte 14 Minuten vor Schluss den Deckel drauf. 2:0, die Blamage vertagt, doch Dienstag wartet in Cardiff oder Sarajevo ein einziges 90-Minuten-Duell, das über die Zukunft einer Fußballnation entscheidet.

Die Zahlerinnerung: Seit dem Titel 2006 hat Italien keine KO-Partie mehr bei einer WM bestreiten dürfen – kein Titelaspirant, nur noch ein Name auf der Liste der Zuschauer. Gattuso wusste das und redete trotzdem von „dem wichtigsten Spiel meiner Trainerkarriere“. Seine Spieler wirkten bis zur Tonali-Einlage wie gelähmt, ein Erbstück der verpassten Qualifikationen von 2017 und 2021.

Lewandowski trifft – und muss trotzdem nach schweden

Lewandowski trifft – und muss trotzdem nach schweden

Robert Lewandowski durfte jubeln, aber nur kurz. Sein Ausgleichstor gegen Albanien war die 81. Länderspieltor-Bestmarke, doch Polen liegt weiter außerhalb der sicheren Zone. Dank Piotr Zielinski drehte die Biało-czerwoni die Partie und reisen nun nach Stockholm, wo Viktor Gyökeres gerade der Ukraine mit einem Dreierpack den Garaus machte. Arsenal kaufte den Schweden für 70 Millionen – an diesem Abend wirkte jeden Euro wie ein Schnäppchen.

Die Türkei hat indes den Löwenanteil der Arbeit noch vor sich. Hakan Calhanoglu traf per Handelfmeter gegen Rumänien, doch das Rückspiel im Kosovo verspricht ein Minenfeld. Die Kosovaren schossen in der Slowakei vier Mal und bewiesen: Wer schläft, fliegt. Dänemark wiederum demonstrierte gegen Nordmazedonien in Hälfte zwei die Macht eines Kollektivs, das schon 2021 im Halbfinale stand – Gegner wird Tschechien oder Irland sein.

Für Italien bleibt die Erkenntnis: Ein einziger Patzer, und die WM-Abstinenz wäre auf zwölf Jahre angewachsen – eine halbe Generation ohne globale Bühne. Die Zahlen sind gnadenlos: 2006 noch Champion, seitdem 0 Siege in KO-Spielen. Wer Dienstag unterliegt, darf 2026 wieder nur zuschauen, während andere Klassiker schreiben. Die Uhr tickt, der Druck steigt – und die Italiener wissen, dass Geschichte nur dann Gnade zeigt, wenn man sie selbst schreibt.