Italien schlägt puerto rico und steht im halbfinale: das comeback der azzurri
Die Daikin Park in Houston war ein Kessel. Sam Aldegheri hatte gerade zwei Runs kassiert, Bases loaded, kein Out – und dann schlug Vinnie Pasquantino. Drei Homer gegen die USA, jetzt der Knockout gegen Puerto Rico: 4-2, Italien steht erstmals im Halbfinale des World Baseball Classic.
Der tag, an dem italien die karibik kaltstellte
Yadier Molina schleuderte sein Handtuch auf den Boden, Francisco Cervelli grinste wie ein Schuljunge. Zwischen ihnen tobte ein Spiel, das keine Niederlage duldete. Seth Lugo, 37, Royals- Veteran, bekam in Inning eins gleich vier Runs um die Ohren – Antonacci, Marsee, Pasquantino, Caglianone trafen hart, schnell, unerbittlich. 4-1 nach dem ersten Akt, das war keine Ankündigung, das war ein K.o.-Schlag.
Puerto Rico kam zurück, wie erwartet. Willi Castro jagte Aldegheris ersten Pitch über die rechte Feldlinie, Ramos und Rosario luden die Bases neu. Alessandro Maestri sprang auf den Mound, flüsterte, schrie, schüttelte den Linkshänder wach – vergeblich. Aldegheri raus, Alek Jacob rein. Hit by pitch, 4-2. Die Karibik tobte, 43 000 im Stad, alle dachten: Jetzt kippt es.

Antonacci und der bullpen-coup
Aber Cervelli hatte den Plan schon am Vorabend entworf. „Wir schlagen früh, dann lassen wir die Bullpen-Tiere los“, hatte er gesagt – und meinte: Daniele Caglianone, der 20-Jährige aus Florida mit Padua-Impfung, wirft 160 km/h sinkende Fastballs, und niemand in San Juan kennt ihn. Inning fünf: Caglianone schaltet Arenado mit einem Slider aus, der wie ein Rasenmäher einschneidet. Inning sechs: Jacob lässt Maldonado im Checkswing verzweifeln. Inning sieben: Andrea Pizziconi, frisch vom Triple-A-Club der Cardinals, wirft drei Strikeouts in neun Würfen – ein perfekter Schlussstrich.
Italien hatte 13 Hits, 8 Strikeouts, 0 Errors. Puerto Rico nur 5 Hits und die ganze Nacht das Gefühl, gegen ein Team zu spielen, das plötzlich alles kann. „Wir haben nicht nur gewonnen, wir haben dominiert“, sagte Pasquantino später, die Kappe zurückgeschlagen, das Tattoo des Bootes auf dem Unterarm noch feucht vom Champagner. „Und das war erst der Anfang.“

Jetzt wartet venezuela – und ein traum
Am Freitag treffen die Azzurri auf den Gewinner des Duells Venezuela-Japan. Die Buchmacher sehen Italien als Außenseiter, 4,75 gegen 1,30 – aber wer schon die USA mit drei Homern versenkt hat, fürchtet sich nicht vor Shohei Ohtani oder Ronald Acuña. Die Stimmung im Bus: euphorisch. Cervelli spielte auf seinem Handy das Video von Josè Cruz‘ Ceremonial Pitch vor, der 68-Jährige warf wie ein Zwölfjähriger. „Das ist unser Jahr“, sagte der Ex-Yankee, „das ist unser Baseball- Wunder.“
Und draußen, vor dem Stadion, standen bereits die ersten Fans mit Trikots der Azzurri. Ein Junge aus Rom hielt ein Schild hoch: „Claudio, wir fliegen nach Miami.“ Das Halbfinale findet im LoanDepot Park statt – und dort, im Herzen von Little Havana, könnte Italien am Sonntag Geschichte schreiben. Die Mannschaft, die nie ein Halbfinale erreichte, ist plötzlich der Geheimfavorit. Die Daikin Park war der erste Schritt. Miami wird der zweite. Und danach? „Las Vegas“, sagte Cervelli mit einem Lachen, das keinen Zweifel ließ: „Wir wollen den Pokal.“
