Italia vor dem playoff-alptraum: nordirland will die angst nutzen

Mailand – Die Angst sitzt tief. Gianluigi Donnarumma muss heute Abend in Bergamo nicht nur den Ball halten, sondern auch die Seelen seiner Mitspieler. Denn im Halbfinale der WM-Playoffs wartet Nordirland – und die Gäste wissen: Die Squadra Azzurra trägt zwei WM-Desaster als schweres Gepäck mit sich. Michael O’Neill sagt es seit Tagen laut: „Wir haben nichts zu verlieren, die Italiener alles.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Nordiren liegen auf Platz 74 der FIFA-Weltrangliste, 57 Plätze hinter Italien. Ihr Torrekord in den letzten sieben Länder­spie­len? Null Treffer. Bradley und Ballard fehlen verletzt, nur zwei Profis aus O’Neills Startelf kicken in der Premier League, der Rest tobt sich in League One und Two aus.

Die angst als gegner

Die angst als gegner

Trotzdem: Die Stimmung im italienischen Lager kippt schnell von Selbst­bewusst­sein in Defensiv­panik, wenn die Erinnerung an Schweden 2017 und Nordmazedonien 2022 wach wird. Die Times aus London spitzte es gestern zu: „Italien muss vor allem seine eigenen Dämonen besiegen.“

Rino Gattuso, heute Co-Trainer an der Seite von Luciano Spalletti, sagte nach der Ankunft in Bergamo: „Das ist das wichtigste Spiel meiner Karriere.“ Er weiß, dass die Mannschaft Mut braucht, keine taktische Schablone. Die Kurve im Gewiss-Stadion wird laut sein, aber die echte Herausforderung sitzt zwischen den Ohren der Spieler.

Donnarumma trägt erstmals als offizieller Kapitän die Binde. Die Anagramm-Spieler erinnern sich: „Un dramma? No!“ – kein Drama, wenn der 25-Jährige heute zur Anführer-Reife reift. Seine Paradequote in dieser Saison liegt bei 78 Prozent, doch entscheidend wird sein Kommando in der Box sein, nicht seine Reflexe.

Die Nordiren werden mit einer Fünferkette und rapiden Kontern arbeiten. O’Neill setzt auf Standards, auf Zweikämpfe, auf die italienische Unruhe. Sein Kader mag in der Tiefe limitiert sein, dafür ist die Mentalität ein Stahl­seil. „Wir haben die Muskeln und den Stolz“, sagt er. Mehr braucht es nicht, wenn der Gegner sich selbst bezweifelt.

Kick-off ist um 20:45 Uhr. Für Italien geht es nicht nur um Katar 2027, sondern um die Frage, ob die vier Sterne auf der Brust noch Gewicht haben oder nur nostalgische Verpackung. Eine Niederlage würde das Land in eine sportische Depression stürzen, aus der es Jahre braucht, um wieder aufzutauchen.

Die letzten Worte gehören einem Mann, der nie ein Blatt vor den Mund nahm. Gattuso zitiert den Colleoni-Brunnen in der Città Alta: „Bisogna!“ – Es muss sein. Heute Nacht muss Italien die Angst abschütteln. Alles andere ist keine Option mehr.