Iran droht mit wm-boykott – trump wirft team „sicherheitsrisiko“ vor

Der Iran will nicht hin, Donald Trump will ihn nicht da haben. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gerät zum Schauplatz eines neuen Machtpokers, der die FIFA vor eine Entscheidung drängt, die sie am liebsten vermeidet.

Der spalt wird tiefer

Der iranische Sportminister hatte den Boykott verkündet, der US-Präsident konterte via Social Media: Die Delegation sei „willkommen“, aber er rate „im Interesse ihres eigenen Lebens“ von der Reise ab. Die Antwort folgte binnen Stunden – nicht aus Teheran, sondern aus dem Instagram-Account der Nationalmannschaft. Dort heißt es lapidar: Ausrichter sei die FIFA, „kein Individuum, kein Staat“. Die Botschaft ist ein Seitenhieb gegen Trump und zugleich ein Appell an Infantino, endlich Farbe zu bekennen.

Die FIFA schweigt. Kein Statement, keine Stellungnahme, nicht einmal ein internes Memo sickerte durch. Dabei tickt die Uhr: In 100 Tagen beginnt das Turnier, für das der Iran sich qualifiziert hat und dessen Gruppenphase in den USA ausgetragen wird – genau dort, wo das Weiße Haus juristisch alle Hebel ziehen könnte, um Visa zu verweigern oder Einreisen zu erschweren.

Der irak folgt als nächster störfaktor

Der irak folgt als nächster störfaktor

Parallel drängt der Irakische Verband auf Verlegung seines Play-off-Spiels. Grund: Die Lage im Nahen Osten macht eine Reise nach Mexiko „nicht verantwortbar“, heißt es in einem Schreiben, das der Guardian zitiert. Die FIFA reagiert erneut nicht. Stattdessen laufen interne Krisenszenarien: Was passiert, wenn zwei qualifizierte Teams absagen? Wer rückt nach? Und wer trägt die Kosten für Umplanung und Rückerstattung?

Die Antworten bleiben im Verwaltungsbüro in Zürich im Papierkorb stecken. Dabei wäre ein Boykott Irans die erste Absage eines qualifizierten Teams seit 1950, als Indien wegen FIFA-Auftrittsgebühren auf seine Teilnahme verzichtete. Die Folgen wären nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich brisant: Iran zählt zu den Fernsehmärkten mit der höchsten Einschaltquote in Asien, ein Wegfall würde die Rechteverkäufe in Milliardenhöhe berühren.

Frauen-nationalteam als geisel der politik

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Ein weiterer Schatten fällt auf die Lage der iranischen Spielerinnen. Sieben Nationalspielerinnen, die in Australien Asyl erhalten hatten, wurden am Mittwoch aus ihrer Unterkunft evakuiert. Ob es sich um Schutz oder Abschiebung handelt, bleibt unklar. Ihr Schicksal zeigt, wie sehr der Konflikt jenseits des Platzes eskaliert – und wie wenig der Sportverband dagegen unternimmt.

Die FIFA steht vor der Wahl: Entweder sie beharrt auf ihrer Neutralität und riskiert, dass das Turnier zur Farce wird. Oder sie setzt sich durch, indem sie Gastgeber USA auffordert, Garantien zu geben, die Trump nicht geben will. Beide Optionen kosten Macht. Beide kosten Geld. Beide kosten Zeit – und die läuft ab.

Am Ende bleibt ein Satz, den man in Zürich am liebsten unter den Teppich kehrt: Wer die Sicherheit der Teams nicht garantieren kann, sollte vielleicht nicht die WM ausrichten. Die FIFA weiß das. Sie wird nur nicht laut sagen. Denn der nächste Sponsorenvertrag wartet bereits.