Kläbo bleibt liegen – hirnerschütterung wirft norwegens superstar raus

Johannes Hösflot Kläbo flog, knallte, blieb liegen – und ist raus. Die Hirnerschütterung, die sich der Langlauf-Tzar bei seinem Spektakelsturz in Drammen zuzog, zwingt ihn zum Verzicht auf das 50-km-Klassiker-Highlight am Holmenkollen. Die Saison ist nicht beendet, aber sie kippt.

Der sturz, der alles änderte

Donnerstag, Sprint-Rennen, Weltcup-Boden in Drammen: Kläbo rutscht in einer engen Linkskurve aus, katapultiert sich über die Ski und schlägt mit voller Wucht mit dem Hinterkopf auf die harte Loipe. Bilder zeigen, wie er sich sekundenlang reglos auf dem Rücken windet, bevor Betreuer herbeieilen. Die Diagnose folgt am Freitag: „leichte Gehirnerschütterung“, bestätigt Teamarzt Ove Feragen. Der Begriff klingt harmlos, ist es im Kopf eines Profis aber nie.

Umgehend nimmt der 28-Jährige die Konsequenzen: Samstags verzichtet er auf die Königsdisziplin über 50 km in Oslo, jenes Rennen, das ihm eigentlich als Triumphzug in die Saison-Endphase dienen sollte. Stattdessen Rücktransport nach Trondheim, absolute Schonung, Bildschirm-Verbot. „Ich habe nur einen Kopf, also muss ich gut aufpassen“, schreibt er auf Instagram – und meint damit mehr als nur die Gesundheit. Es geht um die Zukunft eines ganzen Sports, der sich um seine Person dreht.

Was das bedeutet: weltcup-titel bleibt, aber der schwung ist weg

Was das bedeutet: weltcup-titel bleibt, aber der schwung ist weg

Kläbo hat den Gesamtweltcup bereits zum sechsten Mal gesichert, diese Zahl steht. Doch die Show ist abgesagt. Ohne ihn verliert das norwegische Heimspiel am Holmenkollen seinen Hauptdarsteller, die Sponsoren zittern, die TV-Quoten ebben. Und das Saisonfinale in Lake Placid (20. bis 22. März)? Offen. „Er wird in den nächsten Tagen keine Symptome entwickeln dürfen, sonst ist auch das aus“, sagt Feragen. Kläbo selbst schweigt bis auf die knappe Social-Media-Notiz – das Ungewisse bleibt.

Die Szene erinnert an den Sturz von Marit Bjørgen 2016, die nach ähnlichem Kopfschlag Monate brauchte, um wieder in Gleichgewicht zu kommen. Bei Kläbo ist der Kreislauf noch schneller gedreht: 111 Weltcupsiege, drei Olympiasiege, ein Markenname, der Milliardenumsätze generiert. Verliert er nur eine Woche, verlieren alle.

Die Langlauf-Welt schaut nach Norwegen, doch dort steht nur ein leeres Podest. Die Fans werden am Samstag trotzdem skandieren – nur diesmal nicht „Klä-bo!“, sondern „Wie-den-ken!“. Ob er das hört, entscheidet ein einzelner Schädel. Die Saison ist an einem Punkt, an dem nichts mehr sicher ist, außer der Tatsache, dass auch Superstars nur einen Kopf haben.