Hjulmand zieht gegen bayern die kampfansage: „wir sehen lücken – auch bei den besten“

Kasper Hjulmand lachte, als er es sagte – aber es klang nicht wie ein Scherz. „Nein, nicht von diesem Spiel“, antwortete der Trainer von Bayer Leverkusen auf die Frage, ob die 6:1-Demontage der Bayern in Bergamo Hoffnung macht. Gemeint war: Kein Hinweis aus dem Debakel der Münchner, sondern aus der eigenen Analyse. Denn wer die Bayern in den letzten Wochen studiert hat, weiß: Sie pressen noch aggressiver, verteidigen noch öfter Mann gegen Mann – und haben trotzdem Räume.

Am Samstag um 15.30 Uhr empfängt die Werkself genau jene Bayern, die Arsenal vor einer Woche noch die Rote Karte für die K.o.-Phase andrehten. Für Leverkusen ist es das zweite Top-Spiel binnen fünf Tagen, das erste Mal seit 2002, dass das Team zwischen zwei Champions-League-Knallern gegen den FC Arsenal den Rekordmeister auf dem Programm hat. Ein Glücks- oder ein Fluchprogramm? Hjulmand nennt es „eine Chance, zwei Mal in einer Woche gegen Europa-Spitze zu messen“.

Grimaldo fehlt, tella ist zurück – und die statistik ist brutal

Die Personalie ist dünn geworden. Alex Grimaldo, Fünf-Tore- und Zwölf-Vorlagen-Mann, muss wegen Gelb-Sperre zuschauen. Mark Flekken, der sonst mit Fuß und Blick die erste Pressing-Linie eröffnet, trainiert erst wieder Individualprogramm. Dafür kehrt Nathan Tella nach Fußprellung in den Kader zurück – und Tim Oermann rast als Linksverteidiger-Notlösung mit 35 km/h-Sprint über die Außenbahn. „Ein Tempo-Asset“, sagt Hjulmand knapp.

Die Zahlen sprechen gegen Leverkusen: Nur ein Sieg in den letzten fünf Partien gegen Tabellen-Vordere, vier Niederlagen. Die Tordifferenz in diesen Spielen: 3:11. Doch der Coach verweigert sich der Statistik. „Ein Spiel ist ein Spiel. Alles ist drin.“ Was er meint: Die Bayern haben zuletzt in 17 von 19 Partien das 1:0 erzielt, aber in den zwei anderen lagen sie zur Pause hinten – gegen Frankfurt und Heidenheim. Lücken also doch.

Kane-frage, arsenal-blick und die 120-minuten-marke

Kane-frage, arsenal-blick und die 120-minuten-marke

Harry Kane trainierte am Donnerstag nur individuell, seine Einsatzchance liegt laut Münchner Lager bei „fifty-fifty“. Für Hjulmand keine Entlastung: „Ohne Kane haben sie Musiala zuletzt durch die Mitte genommen, Sane beide Außen vertauscht – sie werden nicht schwächer, nur anders.“ Die Leverkusener Defensive muss also erneut umstellen, wohl mit Odilon Kossounou als rechter Innenverteidiger und Jeremie Frimpong als hybridem Außenstürmer, wenn die Führung überraschend früh fällt.

Nach dem Schlusspfiff wartet schon die nächste Herausforderung: Dienstag in der Champions League gegen Arsenal. Hjulmand will beide Spiele im Kopf, aber nur eins auf dem Platz. „Wir werden nicht rotieren, um zu sparen. Wir rotieren, um 90 Minuten Intensität zu garantieren.“ Die Staffelleitung rechnet intern mit einer 120-Minuten-Marke: 90 plus Nachspielzeit gegen Bayern, 90 plus eventuelle Verlängerung gegen Arsenal. Die Frage ist nur, ob die Konditionskurve am Samstag schon wieder steil nach oben zeigt.

Leverkusen hat in dieser Saison 21 Heimspiele in Serie nicht verloren – aber gegen Bayern endete die Serie letztes Mal mit einem 2:4. Hjulmand blickt auf die Uhr, dann auf das Spielfeld. „Wir wissen, wo wir sie treffen können: in der halben zweiten Zone, wenn sie umschalten.“ Die Uhr tickt. Samstag, 15.30 Uhr – dann zeigt sich, ob die Analyse reicht, um die Bayern erneut in Selbstzweifel zu stürzen.