Playoffs vor der tür, aber 9 nl-stars stehen ohne job da
Die Scheiben fliegen, die Stadien kochen – und trotzdem hängen neun erfahrene National-League-Gesichter in der Luft. Ihre Verträge laufen aus, keine neue Unterschrift in Sicht. Ein Altmeister, zwei Darios, ein ehemaliger NHL-Captain und selbst ein 23-jähriger «Königstransfer», der zum Flop wurde. Die Saison ist noch nicht vorbei, das nächste Kapitel aber bereits ungeschrieben.
Raphael diaz und die 40-jahre-grenze
EVZ-Sportchef Reto Rintanen schweigt, wenn Reporter nach dem 40-jährigen Raphael Diaz fragen. Dreimal musste der ehemalige Nationalteam-Captain diese Saison pausieren, zweimal musste er sich das Knie spritzen lassen. In 13 Spielen zeigte er trotzdem, warum er in der Kabine noch immer die Stimme ist, die den jungen Verteidigern sagt, wann sie raus müssen. Doch die Frage lautet nicht, ob Diaz noch kann – sondern ob der EVZ bereit ist, einen Platz für ein Museumstück zu opfern, das in den Playoffs vielleicht nur 8 Minuten pro Partie spielt. Intern heißt es: Entscheidung nach der ersten Runde. Wenn Zug scheitert, dürfte Diaz’ Karriere in der Schweiz enden. Wenn nicht, könnte er als 13. Stürmer in der Bank sitzen – und trotzdem 700 000 Franken kassieren.

Dario bürgler und die 1.000-euro-frage
946 NL-Spiele stehen im Pass des 38-jährigen Dario Bürgler. 54 fehlen noch zum exklusiven 1.000er-Club, in dem nur Mark Streit und Mathias Seger schwadronieren dürfen. Im Leutschenbach fragt man sich: Braucht Ambri wirklich einen Veteranen, der in 48 Saisonspielen nur zwölf Punkte schrieb und in der Defensive Minus-13 holte? Präsident Luca Tramontano lächelt verlegen: «Dario ist mehr als Statistik.» Aber hinter den Kulissen prüft der Klub bereits Antoine Roussel als mögliche Fan-Legende. Bürgler selbst trainiert zweimal täglich im Ticino, schickt den Teams Videos von seinen Sprintwerten. Die Botschaft: Ich kann noch. Die Realität: Ein Angebot liegt nur aus Lausanne vor – und das zahlt nur 250 000, statt der bisherigen 550 000.

Trutmann, schlumpf, zgraggen – die defensiv-russen
Dario Trutmann wartet im Zürcher Silvesterquartier ab. 33 Jahre, zwei Meister, 22 Minuten Eiszeit pro Spiel. Doch die Lions haben Christian Marti verlängert, Mirco Müller kommt aus North America zurück. Trutmanns Berater Marc Leuenberger telefoniert mit dem HC Davos, wo Michael Fora voraussichtlich Richtung NLA-Konkurrent wechselt. Die Davos-Führung will aber kein Gehalt über 400 000 zahlen – Trutmann verdiente bisher 650 000. Also wartet er. Dominik Schlumpf wartet ebenfalls. Seit Dezember kursiert das Gerücht, Biel wolle ihn als «verlässlichen Defensivstein». Doch die Seeländer haben Janis Jérôme Moser aus dem Ausland gelotst und Schlumpf’ Verhandlungen auf Eis gelegt. Der 34-Jährige trainiert alleine in Hünenberg, seine Frau erwartet das zweite Kind. Er sagt: «Ich will nicht ins Ausland, ich will in die Schweiz bleiben.» Die Zeit arbeitet gegen ihn. Jesse Zgraggen, 31, 517 NL-Spiele, ist der Dritte im Defensiv-Reihen. Ambri will um 30 Prozent kürzen, er sagt Nein. Interesse: keine.

Hollenstein und zurkirchen – die zürcher roulette
Denis Hollenstein ist der letzte «Lion» aus dem 2014er-Meister-Team. 29 Spiele, acht Punkte, ein Knie, das nach jedem Check schmerzt. Der ZSC will ein Zeichen setzen – Jugend vor Rentner. Hollenstein weiß: «Wenn ich nicht unterschreibe, gibt’s kein anderes NL-Bett mehr.» Er wartet auf ein Angebot, das nur kommt, falls Justin Sigrist vorzeitig in die AHL abfliegt. Sandro Zurkirchen hingegen lacht noch. 91,2 Prozent Fangquote, 36 Jahre, aber Florian Elias und Leonardo Genoni stehen vor ihm. SCB-Sportchef Thomas Roost sagt offen: «Wir schauen, ob wir zwei Schweizer Goalies brauchen.» Dahinter steckt die Überlegung: Wenn Genoni geht, bleibt Zurkirchen – wenn nicht, fliegt er nach 14 Jahren aus dem Bärenkäfig.

Joshua fahrni – das talent, das verrostet
Zum Schluss der Youngster, der nie erwachsen wurde. Joshua Fahrni, 23, kam als «Königstransfer» von Bern nach Langnau. Zwei Jahre später: 20 Spiele, null Punkte, null Tore, null Selbstvertrauen. Die Tigers stellen die Schuldfrage nicht mehr, sie stellen die Rechnung: 600 000 Franken Gehalt, 0 Produktivität. Trainer Tomlinson setzte ihn nur noch in der dritten Reihe ein, dann gar nicht mehr. Fahrni trainiert mittlerweile mit dem NLB-Team, sucht einen Neuanfang. Interesse? Nur EHC Olten, aber die wollen nur 150 000 zahlen – ein Viertel seines bisherigen Salärs. Seine Beraterin sagt: «Er nimmt alles.» Die Karriere beginnt neu – oder endet hier.
Die Playoffs beginnen in zehn Tagen. Danach dauert es maximal 14 Tage, bis die ersten Spieler ihre Päse in den Schrank legen. Die Vereine schieben die Entscheidungen vor sich her, die Agenten rechnen mit fünf freien Plätzen pro Team. Die Uhr tickt. Und wer bis Ende April keinen Stift in der Hand hat, der muss im Sommer umziehen – oder aufhören. Die Liga wird jünger, schneller, gnadenloser. Für manche Veteranen ist das nicht mehr die National League, sondern ein Sprung ins kalte Wasser. Die Scheibe dreht sich weiter – nur nicht für alle.
