Inter stolpert: jetzt jagt der ac milan mit zähneklappern
Ein Schritt nach vorn, zwei zurück. Atalanta hat Inter mit einem 2:0 in die Knie gezwungen und die Meisterschaft wieder offen gemacht. Die Nerazzurri müssen fortan mit dem Rücken zur Wand laufen – und der AC Milan rieht Blut.
Die Lage ist klar: Inter führt mit fünf Punkten Vorsprung, hat aber nur noch acht Spiele Zeit. Der Milan reist nach Rom, wo Lazio wartet. Gewinnen die Rossoneri, schrumpft der Rückstand auf zwei Zähler. Die Stadt Mailand hält den Atem an.
Die angst sitzt tief in san siro
Im Kabinengang von Inter herrscht Betonstille. Der VAR-Pfiff vom Samstag schwirrt noch in den Köpfen. Trainer Simone Inzaghi redet von „unfairen Vorfällen“, doch in Wahrheit fürchtet er sich vor dem Déjà-vu: 2002 war Inter vorletzter Spieltag noch Erster, am Ende wurde der Titel trotzdem nur Randnotiz.
Die Statistik ist ein Spiegel: Teams, die in den letzten neun Jahren nach dem 30. Spieltag Tabellenführer waren, holten in 87 % der Fälle auch den Scudetto. Die Ausnahme: 2017, als Juventus Rom und Neapel mit einem Sprint noch abhängte.
Massimiliano Allegri spielt das Spiel der Verdunkelung. „Wir kümmern uns nur um die Champions-League-Quali“, sagt er, aber im Trainingslager von Milanello hängt eine Tafel mit drei Spalten: Punkte, Tordifferenz, Restprogramm. Die Zahlen sind mit Kreide geschrieben – und lassen sich jederzeit löschen.

Der sprintplan der rossoneri
Der Kalender ist Milans Freund: Nach Lazio folgen Lecce, Empoli und Cagliari. Drei Gegner, die zusammen nicht einmal halb so viele Punkte haben wie Inter. Dazu der Rückkehr von Mike Maignan zwischen die Pfosten und die Formkurve von Rafael Leão, der in den letzten vier Partien drei Tore vorbereitete.
Inter muss dagegen nach Neapel reisen – und dort hat der Tabellenführer seit acht Jahren nicht gewonnen. Danach warten Milan (Derby!), Roma und Atalanta erneut. Die Reihenfolge ist kein Zufall, sondern ein Programm der Liga, das Spannung garantieren soll. Mission erfüllt.
Die Fans wissen: In der Saison 1998/99 lag der AC Milan sieben Spieltage vor Schluss noch sieben Punkte hinter Lazio. Am Ende wurde trotzdem die Meisterschaft gefeiert. Die Bilder von Paolo Maldini, der den Pokel in der Nacht durch Mailand trug, hängen noch in den Kneipen von Porta Ticinese.
Jetzt zählt nur noch der nächste Schritt. Für Inter heißt es: Wer die Angst vor dem Gewinnen nicht abschüttelt, verliert am Ende doppelt. Für Milan: Wer den Glauben nicht verliert, gewinnt vielleicht alles. Die Wahrheit liegt am 25. Mai in Reggio Emilia – oder schon am Sonntagabend, wenn die Sirenen in Rom ertönen.
