Sansone zerreißt den derby-vorhang: „bologna und sassuolo tragen dieselbe seele – europa ist drin“

Nicola Sansone spricht selten, aber wenn er es tut, knallen die Worte wie seine Volleys von damals. Im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt zieht der Ex-Angreifer von Bologna und Sassuolo den Vorhang vor dem Derby von Emilia hoch – und liefert den Soundtrack für ein Match, das am Sonntag über Europa entscheiden könnte.

„Beide haben denselben dna-strang: angriff.“

Die Tabelle lügt nicht: Sassuolo einen Punkt hinter Bologna, beide mit 41 Zählern, beide mit dem Blick Richtung achter Platz. „Ich sagte im November, dass sie um die Conference League kämpfen werden – jetzt streiten sie sich um Rang acht. Das ist kein Widerspruch, das ist der Beweis für ein verrücktes Serie-A-Jahr“, so Sansone, der zwischen 2014 und 2018 insgesamt 126 Pflichtspiele für die beiden Klubs absolvierte.

Die Erinnerung schaltet sich ein. Bei Sassuolo schoss er Juve und Milan kalt, trug das Team 2016 erstmals in die Europa League. „Ich habe an dem Tag sogar für die Juventus gebetet“, lacht er. „Coppa-Finale gegen Milan – hätten die Turiner gewonnen, wäre unser Startplatz fix gewesen. Am Ende lief alles wie geplant.“

Berardi und orsolini: zwei seiten derselben münze

Berardi und orsolini: zwei seiten derselben münze

Domenico Berardi bleibt die Leitfigur der Neroverdi. Sansone schwärmt: „Er verändert das Gesicht einer Mannschaft. Dass er noch da ist, empfinde ich als Liebesbeweis, nicht als Karrierebremsen.“ Auf der Gegenseite brennt Riccardo Orsolini derzeit eine Formkrise herunter – null Minuten gegen Roma. „Orso braucht zwei Dinge: ein Tor aus dem Nichts und das Wissen, dass der Trainer ihn nicht vergessen hat. Ich würde ihn sofort wieder bringen, weil er dieselbe Killer-Qualität wie Berardi besitzt.“

Dabei habe auch Sansone seine dunkelsten Stunden erlebt. Beinahe-Debüt in der Bundesliga für den FC Bayern? Blockiert von Louis van Gaal. „Fünf Minuten vor Schluss führt Bayern 3:0 in Freiburg, er setzt einen anderen Spieler – der macht ein Eigentor, Spiel endet 3:1. Ich habe heute noch Adrenalin im Blut, wenn ich daran denke.“

Der zwist mit fabio grosso? ein foto für die ewigkeit

Der zwist mit fabio grosso? ein foto für die ewigkeit

Heute ist der Zwist mit van Gaal Geschichte, die Begegnung mit Fabio Grosso Legende. „Ich kenne ihn eigentlich gar nicht persönlich“, räumt Sansone auf. „Aber nach dem WM-Triumph 2006 habe ich als italienischer Junge in Deutschland ein Foto von ihm angefordert. Er schickte es mit Widmung – für meine deutschen Freunde das absolute Wahnsinns-Dokument. ‚Erkennt ihr ihn?‘, schrieb ich darunter. Der Beweis: Champions tragen keine Grenzen.“

Zurück zum Sonntag. Sassuolo hat zuletzt dreimal in Folge ungeschlagen gespielt, Bologna nach der Systemumstellung unter Italiano wieder die Sprache der Tore gefunden. Sansone prophezeit: „Beide Trainer lieben Offensive, beide Teams leben von Momentumschüben. Wer zuerst trifft, wird den Schwung mitnehmen – und am Ende zählt vielleicht bloß der bessere Goalaverage.“

Ein letztes Bild bleibt hängen: Nicola Sansone, 33, frischgebackener Vater der kleinen Azzurra Maria, steht vor seinem TV. „Ich werde tippen, nicht mit Geld, aber mit dem Herzen. Und wenn einer der beiden Klubs im Mai Europa spielt, dann wird meine Prognose vom November eben doch nur verspätet reif.“