Inter miami scheitert, aber johana karbanová schlägt ein loch in die mauer der männer

Sie hat kein Tor gesehen, dafür aber Geschichte geschrieben. Während Inter Miami beim LaLiga FC Futures U12-Club-World-Cup mit 0:9-Toren drei Pleiten kassierte, stand Johana Karbanová unbeirrt an der Seitenlinie – als einzige Frau unter 64 männlichen Trainer-Kollegen.

„Ich merkte es erst, als ich hereinkam“

Die 32-jährige Tschechin lacht, als sie das sagt. Nicht nervös, eher amüsiert. „Dann dachte ich: Okay, ich bin die Einzige. Aber eigentlich bin ich einfach nur Coach.“ Ihre Spieler nennen sie Coach Jo, die Eltern schicken ihr Sprachnachrichten mit Taktik-Fragen, und niemand im Floridianer Campus behandelt sie anders als die Assistenztrainer von Real Madrid oder Benfica.

Dabei ist Karbanová kein PR-Gimmick. Sie hat das UEFA-A-Lizenz-Diplom in Prag gemacht, vier Jahre die U13 von Slavia Praag betreut und spricht vier Sprachen fließend. Als Inter Miami vor zwei Jahren eine internationale Akademie-Struktur aufbaute, stach sie bei 180 Bewerbern heraus. Seitdem lebt sie in Fort Lauderdale, trainiert morgens die Kids, studiert abends Videoclips von Kinderspielern, die noch keine Ahnung haben, dass sie einst Lionel Messi ersetzen sollen.

Null tore, 100 prozent respekt

Null tore, 100 prozent respekt

Die Bilanz von drei Niederlagen liest sich hart. Doch hinter den Zahlen steckt ein anderes Spiel. In der Kabine hat sie eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der die Jungs ihre Takt-Skizzen schicken. Wer eine Lücke erkennt, darf sie einzeichnen – egal, ob Kapitän oder Ersatz. „Ergebnisse zählen hier nicht auf der Tabelle, sondern im Kopf“, sagt sie. „Wenn ein zwölfjähriger Junge versteht, warum er rausrücken muss, um den Nachbar zu covern, habe ich gewonnen.“

LaLiga-Funktionäre bestätigen, dass ihr Team das höchste Fairplay-Ranking aller 64 Teilnehmer hat. Kein Gelb wegen Meckerns, kein Elfmeter wegen Schwalbe, stattdessen Applaus vom Gegner, als Karbanová nach dem 0:3 gegen Atlético Madrid ihre Spieler in der Mitte des Rasens versammelte – und zwar lautstark auf Spanisch.

Der nächste plan steht schon

Der nächste plan steht schon

Karbanová will nicht als „weiblicher Trainer“ enden, sondern als Trainerin. Deshalb baut sie ein U14-Projekt auf, in dem künftig zwei Mädchen mittrainieren sollen. „Nicht quotenweise, sondern weil sie dribbeln können wie verrückt“, betont sie. Ihr Verein stellt dafür 50.000 Dollar zur Verfügung – Geld, das eigentlich für einen neuen Flugzeugsponsor vorgesehen war. Klub-Besitzer Jorge Mas unterschrieb binnen 24 Stunden.

Die Eltern der Jungs fragen mittlerweile nicht mehr, ob eine Frau das schafft. Sie fragen, wann die nächste Trainingseinheit startet. Denn seit Karbanová das Team übernahm, stieg die Zahl der regelmäßigen Teilnehmer von 60 auf 92. Der Grund: Sie textet den Kids nach Fehlern keine Standpauke, sondern schickt ihnen einen TikTok-Clip, in dem sie dieselbe Szene mit Emojis analysiert. Laut Statista liegt die Retention-Rate ihrer Gruppe bei 97 Prozent – akademische Spitze in ganz Nordamerika.

Der pokal bleibt in madrid, der durchbruch in miami

Am Ende der Woche fliegt der Klub nach Hause – ohne Titel, aber mit einem Schriftstück. Turnierdirektor Fernando Sanz überreichte Karbanová eine Wildcard für das nächste Jahr und eine persönliche Einladung ins Hauptquartier von LaLiga. „Sie haben etwas kaputtgemacht, was wir seit 20 Jahren nicht richten konnten“, sagte er.

Karbanová steht vor dem Teambus, Sonnenbranche auf der Stirn, und summt die Hymne von Prince: „She’s a runner, rebel and a saint.“ Die Jungs singen mit, obwohl sie den Text nicht verstehen. Sie verstehen nur, dass ihre Coach morgen wieder um sieben Uhr auf dem Platz steht – und dass sie dann vielleicht endlich ein Tor schießen. Für sie zählt nur das nächste Spiel, für die Geschichte zählt schon jetzt dieses eine verlorene Turnier. Weil es beweist: Wenn du die richtige Frage stellst, ist die Antwort manchmal einfach eine Frau mit Trillerpfeife.