Vicario fliegt mit privatjet zur squadra azzurra – bande statt strand
Guglielmo Vicario sitzt in Bergamo, nicht in London. Der Tottenham-Keeper landete gestern Abend mit einer Learjet-Charta, nur 36 Stunden nach seiner Leisten-OP. Bis Dienstag bleibt er im Trainingszentrum von Coverciano, stapelt Energietränke auf der Bank, klatscht jedem Torhüter ab, der zum Aufwärmen rausgeht.
Die Entscheidung war schnell. Nach dem 1:0-Sieg gegen die Spurs hatte er sich in der Kabine mit Son und Romero umarmt, dann die Tasche gepackt. „Wenn ich nicht stehen kann, will ich wenigstens schreien“, sagte er zu Teamchef Gattuso, der nur nickte. Die medizinische Abteilung des FA hatte den Flug genehmigt – mit der Auflage: keine Einwürfe, keine Befehle, nur Anwesenheit.
Ein leistenbruch als katalysator
Die Leistenprobleme plagten Vicario seit Wochen. Bei jedem Absprung spürte er den stechenden Schmerz, der sich wie ein zweites Herzschlagen unter dem Schienbeinschutz ausbreitete. Tottenham liegt zwei Punkte über dem Strich – ein Risiko, das er nicht eingehen wollte. Also statt WM-Playoff: Operation in der London Bridge Clinic, Narbe quer, fünf Zentimeter.
Die Rechnung: vier Wochen Pause, Saisonende womöglich vorbei. Doch statt sich in seine Wohnung in Hampstead zurückzuziehen, buchte er den Privatflug selbst. Kosten: 18.000 Euro. „Geld kann man wieder verdienen, Atmosphäre nicht“, sagte er laut Gattuso.
Ein Bild auf Instagram zeigt ihn mit Gehhilfe vor dem Mannschaftsbus, daneben Scamacca, der trotz Oberschenkelzerrung nicht nach Genua fuhr. Beide lächeln, als hätten sie gerade ein Geheimnis gehört. Die Botschaft: Verletzt heißt hier nicht abgeschrieben.

Die italienische art von teamgeist
Gattuso baut dieses Konstrukt seit Monaten. Kein Spieler darf allein essen, jeder Neue muss ein Lied vorsingen. Die Folge: Seit November kein Streit, keine Lecks. Vicarios Ankunft passt ins Bild – wie ein Puzzlestein, der fehlte und nun aus reiner Verbundenheit eingesetzt wird.
Gegen Nordirland wird er hinter der Auswechselbank sitzen, die Hand über den Oberschenkel gespannt. Wenn Donnarumma einen Elfmeter hält, springt Vicario trotzdem auf. Die Narbe wird aufreißen, egal. „Ein bisschen Blut schadet nicht“, sagt er. „Hauptsache blau.“
Danach geht’s zurück nach London. Dort wartet dann das Reha-Zentrum in Enfield und die Frage, ob Inter im Sommer 35 Millionen auftischt. Aber das ist Morgenmusik. Heute zählt nur das Schreien in Bergamo – und dass selbst auf Krücken die Kurve noch wackelt.
