Hossam hassan vor spanien-spiel: „wir wollen den underdog raushängen lassen“
Ägyptens Coach Hossam Hassan liefert vor dem Duell mit Spanien die perfekte PR-Show ab: lobt, provoziert, träumt. Sein Fazit: „Wir haben nichts zu verlieren – und das macht uns gefährlich.“
Warum das spiel heute abend in elche mehr ist als ein freundschaftskick
Der Ball rollt im Estadio Martínez Valero, doch Hassan redet schon von der WM-Gruppe. Belgien, Iran, Neuseeland – das sind die Gegner der Pharaonen im Winter. Gegen Spanien testet er, ob seine Umstellung von 4-2-3-1 auf ein druckvolles 3-4-3 auch gegen Ballbesitz-Künstler funktioniert. Die ersten 20 Minuten gegen Saudi-Arabien waren ein Vorgeschmack: hohe Verteidigung, sofortiges Gegenpressing, aber auch offene Räume. Genau das will er jetzt sehen – nur auf höherem Niveau.
Die FIFA-Weltrangliste nennt Spanien Platz eins, Ägypten nur Rang 35. Hassan lacht das weg. „Wir haben 1990 gegen Van Basten, Gullit und Rijkaard gespielt – und nicht verloren. Ranglisten sind Papier, Fußball wird auf dem Rasen entschieden.“ Dabei attackiert er subtil: „Spanien ist der Favorit, klar. Aber Favoriten haben mehr zu verlieren.“

Omar marmoush: der nächste salah?
Der VfL-Stürmer ist Hassans Trumpf. 22 Jahre, 1,85 m, 11 Saisontore in der Bundesliga. „Er hat Salahs Tempo, aber bessere Kopfballwerte“, schwärmt der Trainer. Marmoush selbst quält sich seit Tagen mit leichten Adduktorenproblemen, will aber spielen. „Er spürt den Moment“, sagt Hassan und deutet an, dass er ihn auf der linken Seite starten lässt, um den jungen Spanien-Backen Juanlu zu treffen. Ein Duell, das die Scouts in Elche mit dem Handy filmen werden.
Spanien wiederum setzt wohl auf Yamal, Pedri und Rodri – ein Trio, das laut Hassan „die Ballbesitzquote auf 70 Prozent hält, ohne zu schwitzen“. Seine Antwort: frühes Pressing, Dreierkette mit Manndeckung auf Pedri. „Wenn wir ihn aus dem Spiel nehmen, wird ihr Rhythmus brüchig.“

Die stimmung im lager der pharaonen
Im Teamhotel in Alicante spielt Mohamed Salah Karten mit den Physiotherapeuten. Er fällt aus, aber seine Präsenz wirkt. „Er ist unser Kapten, auch außerhalb des Platzes“, sagt Hassan. Die Spieler nennen das Spiel „Risko-Spiel“ – nicht wegen der Niederlage, sondern wegen der Botschaft. „Wenn wir morgen nur 0-1 verlieren, haben wir Respekt erarbeitet. Ein Remis würde Afrika elektrisieren.“
Die Wette läuft parallel: ägyptische Fans in Berlin und Kairo tippen auf ein 2-2, die spanische Presse auf einen „lockeren 3-0-Arbeitssieg“. Hassan grinst: „Lasst sie reden. Fußball hat keine Scriptwriter.“
Anpfiff 20.45 Uhr MEZ, live bei ZDF und OnTime Sports. Hassan nimmt einen Schluck Mate-Tee – argentinische Tradition, eingeschleppt von seinem Assistenten – und blickt auf den Rasen. „90 Minuten, 22 hungrige Egos und ein Ball. Das ist unsere Chance, Geschichte zu schreiben – oder zumindest ein Foto mit Sergio Ramos zu ergattern.“
