Hinze jagt seine löwen: heimspiel der extraklasse in eisenach

Sebastian Hinze betritt die Halle, die er drei Jahre lang als sein Wohnzimmer bezeichnete – und will sie zum Gegner machen. Freitag, 19 Uhr, Werner-Aßmann-Halle: Der ThSV empfängt die Rhein-Neckar Löwen. 2850 Fans, alles ausverkauft. Der Trainer, der 2023 mit den Mannheimern hier den Pokal holte, steht nun auf der anderen Seite. Kein Platz für Nostalgie.

Der plan klingt simpel, ist es aber nicht

Hinze spricht schnell, fast ruckartig. „Ich treffe auf viele Menschen, die ich kenne. Ein besonderes Spiel ist es für mich nicht.“ Die Worte wirken geprobt, die Stimme nicht. Unter der Trainingsjacke trägt er das blaue Eisenacher Logo, nicht das grüne der Löwen. Drei Sätze später kommt die Kampfansage: „Ich will mit dem ThSV gewinnen.“ Punkt. Kein „aber“, kein „vielleicht“.

Die Löwen reisen als Tabellensiebter an, mit Blick auf Europa. Eisenach hockt auf Platz 14, acht Punkte über dem Strich. Die Mathematik erlaubt keinen Ausrutscher. Nach der 52-prozent-Wurf-Katastrophe in Göppingen schwitzt die Mannschaft noch. Rückraumspieler Stephan Seitz presst die Lippen zusammen: „Wir haben uns geschüttelt. Jetzt zählt nur noch der nächste Wurf.“

Kohlbacher, thrastarson, baijens – das trio, das eisenach nicht schläft

Kohlbacher, thrastarson, baijens – das trio, das eisenach nicht schläft

Hinze kennt die Schwachstellen seines alten Klubs wie seine Handschrift. Er nennt drei Namen: Jannik Kohlbacher, Haukur Thrastarson, Dani Baijens. Kohlbacher gilt als „Gefahrenherd“, Thrastarson als Spielmacher mit Eiskaltem Blick, Baijens als Linksaußen mit Schnellstart. „Wir brauchen gute Aktionen, erfolgreiche Zweikämpfe, präzise Abschlüsse“, zählt Hinze auf – klingt wie eine Checkliste für den perfekten Abend.

Abwesender ist ebenso wichtig: Halil Jaganjac fehlt den Löwen mit Mittelfußbruch. Die Abwehr verliert ihren Kopf. Für Eisenach eine Chance, für Hinze eine Rechnung ohne den gesperrten Star.

Ein sommer-transfer, der schon jetzt brennt

David Móré sitzt im Mannheimer Bus, schaut aus dem Fenster und sieht schon nächste Saison. Der 21-jährige Linksaußen wechselt im Sommer zu den Wartburgstädtern – trainiert wurde er von genau dem Trainer, dem er morgen das Leben schwer machen will. „Er kennt mich, ich kenne ihn“, sagt Móré knapp. Keine Tränen, keine Umarmung. Nur 60 Minuten Härtetest.

Und dann ist da noch Vincent Büchner. 27 Jahre, beste Saison seines Lebens, Linksaußen mit Tor-Garantie. THW Kiel soll ihn auf dem Zettel haben. Geschäftsführer Rene Witte bestätigt das Interesse, mehr nicht. „Vincent ist ein Thema“, sagt er und schweigt über Zahlen. Büchner selbst schaut nur aufs Feld. Ein Tor gegen die Löwen würde seinen Marktwert nach oben schrauben – und die Eisenacher Rettung ein Stück näher bringen.

2850 Stimmen, eine entscheidung

Die Halle wird kochen, die Trommeln drohnen, die Fans singen. Hinze steht an der Linie, die Arme verschränkt. Kein Blick zur alten Bank. Er weiß: Gewinnt Eisenach, rückt der Klassenerhalt in greifbare Nähe. Verliert die Mannschaft, wird die Luft dünner. Die Daikin Bundesliga ist kein Sentiment, sondern ein Geschäft mit klaren Regeln.

Nach dem Schlusspfiff gibt es kein Mittelmaß. Entweder jubelt Eisenach – oder die Löwen feiern den nächsten Schritt Richtung Europa. Hinze wird die Hand schütteln, kurz, sachlich. Dann verschwindet er in der Kabine. Dort wartet schon die Analyse für das nächste Spiel. Die Vergangenheit bleibt draußen. Immer.