Ochoa rückt nach malagons blessur in mexikos wm-tor – rekord in reichweite

Die Nachricht trifft Mexiko wie ein Freistoß gegen den Pfosten: Luis Malagon, Nummer eins zwischen den Pfosten, fällt mit einem Riss der Achillessehne für die Heim-WM aus. Drei Monate vor dem Eröffnungsspiel gegen Südafrika muss Trainer Javier Aguirre umdenken – und prompt steht ein Name im Raum, der in Mexiko für eine ganze Ära steht: Guillermo Ochoa.

Die verletzung – ein moment, der alles ändert

Malagon verletzte sich in der Nacht zum Mittwoch, als er in der eigenen Hälfte den Ball nach vorne bringen wollte. Ein ungewollter Schritt, ein Knall – und die Sehne riss. CF America bestätigte sofort: Operation unumgänglich, WM so gut wie ausgeschlossen. Für den 29-Jährigen die bittere Quittung nach einer starken Quali-Runde; für Aguirre ein Schachzug, den er sich lieben würde.

Die Lücke ist groß. Malagon war nicht nur Stammtorhüter, sondern auch Kommandant in der Abwehr. Seine Reflexe, seine Ruhe – alles Weg. Nun suchen die Trainerstab und der ganze Fußball-Verband nach einer Lösung, die nicht nur sportlich, sondern auch emotional funktioniert. Denn Mexiko träumt vom Halbfinale, vielleicht mehr.

Ochoa, 40 jahre jung, wartet auf den ruf

Ochoa, 40 jahre jung, wartet auf den ruf

Seit Monaten spielt Ochoa in Zypern bei AEL Limassol, wieder First-Choice, wieder unumstritten. Doch in der Heimat galten Raul Rangel und Carlos Acevedo als Favoriten auf den Kaderplatz. Ochoa? Nur ein Name auf der Reserveliste. Bis gestern.

Die Statistik spricht für ihn: 152 Länderspiele, elf WM-Einsätze, drei Weltturniere, in denen er Mexiko mit Man-of-the-Match-Auftritten vor dem Aus bewahrte. Brasilien 2014, Deutschland 2018 – Fans sangen seine Lieder, selbst wenn das Team schon draußen war. Nun könnte er zum sechsten Mal bei einer WM dabei sein. Kein Feldspieler schaffte das je.

Aguirre schwieg gestern vorerst. Intern kursiert die Info, dass die Entscheidung „innerhalb von 72 Stunden“ fällt. Ochoas Telefon steht offenbar auf lautlos, aber seine Familie postete bereits ein Foto mit der Caption „Listo para la batalla“. Das Bild: Ochoa im Gym, Trainingsanzug an, Blick auf die Uhr. Die Message: Ich bin bereit.

Die rechnung geht nicht nur um erfahrung

Die rechnung geht nicht nur um erfahrung

Kritiker wissen: Ochoas Reaktionszeit ist nicht mehr die von 2014, seine Sprünge weniger spektakulär. Doch was er bringt, ist schwer messbar: ein Torwart, der beim ersten Schuss an die Latte die ganze Arena beruhigt. Ein Schlüsselspieler, der in der Kabine sagt, wann Tempo gemacht und wann die Kugel geschossen wird. Ein Gesicht, das Sponsoren glücklich macht und Gegner nervös.

Die Alternative wäre Rangel, 25, aus Chivas. Talentiert, aber mit nur zwei Länderspielen. Oder Acevedo, 28, stabil, aber ohne internationales Turnier-Flair. In der kurzen Vorbereitung ist Verlassenheit Trumpf. Ochoa bringt genau das – plus die Aura des Unverwüstlichen.

Und dann ist da noch die Frage nach dem Eröffnungsspiel. 80 000 in Estadio Azteca, Millionen vor den Bildschirmen. Wer will dort eine unbekannte Nummer stehen haben? Aguirre weiß: Wählt er Ochoa, wählt er ein Stück Volksseele. Lässt er ihn zu Hause, riskiert er, dass die erste Parade des Turniers direkt zum 0:1 führt.

Fakt ist: Die Frist für die endgültige 23er-Liste läuft am 25. Juni ab. Bis dahin muss Mexiko wissen, ob es auf Erfahrung oder Frische setzt. Ochoa selbst trainiert weiter, postet nichts, sagt nichts. Er muss nicht mehr viel sagen. Sein Körper, seine Zahlen, seine Geschichte sprechen für ihn.

Die WM beginnt am 13. Juli. Fällt Ochoa auf, wird er 41 Jahre und drei Tage alt sein – älter als jeder mexikanische Feldspieler zuvor bei einem Turnier. Ein Rekord, der keiner ist, solange der Ball noch nicht rollt. Danach zählt nur noch die Parade. Und die kann er immer noch.