Hettich-walz zerstört ihre medaille 500 meter vor dem ziel
Oslo – 32,8 Sekunden. So knapp war Janina Hettich-Walz am Samstag dem Podest entwischt, und doch fühlte es sich an wie eine Ewigkeit. Die 27-Jährige lag beim Massenstart auf dem Holmenkollen bis zum letzten Besuch der Schießbahn auf Rang drei, dann knallten zwei Patronen ins schwarze Metall, die deutsche Saison kippte endgültig ins Leere.
Damit bleibt der deutsche Biathlon-Frauen ein Triumph in der kompletten Weltcup-Saison 2025/26 verwehrt. Staffel-Zweitplätze und das Abschiedsgeschenk von Franziska Preuß – mehr Sprit für die Statistik war nicht drin. „Ich war sicher, dass die treffen“, sagte Hettich-Walz mit leerem Blick ins ZDF-Mikro. „Irgendwie soll es diese Saison nicht sein.“ Ein Satz, der klingt, als hätte er sich schon vor Monaten eingebrannt.
Die patsche kommt nach schuss nummer 18
Was genau passierte? 87 Prozent Trefferquote bringt normalerweise Edelmetall. Doch die beiden letzten Scheiben drehten sich um Millimeter. Lisa Vittozzi (1 Fehler) nutzte die Lücke, jagte auf der Wellen-Piste vorbei, Hanna Öberg (1) wurde zweite. Hettich-Walz fiel auf Platz zehn zurück. Dahinter: Vanessa Voigt (12.), Julia Tannheimer (14.) und Selina Grotian (24.). Keine deutsche Athletin unter den Top Neun – so bitter war die Bilanz seit zwölf Jahren nicht mehr.
Die Rechnung ist schnell gemacht: Nur ein einziges Podest in 21 Einzelrennen. Das deutsche Quartett schaffte es gerade noch, im Nationencup Rang fünf zu verteidigen und sich damit die vollen sechs Startplätze für den nächsten Winter zu sichern. Ein Trostpflaster, das kaum jemanden wärmt. Denn während Lou Jeanmonnot die große Kristallkugel entgegennahm – überreicht von Franziska Preuß, die als Zuschauerin ihre Zukunft ohne Gewehr testet –, standen die aktiven DSV-Stars mit leeren Händen da.

Julia simon kassiert letzte kleine kugel ein
Die Französin Julia Simon sicherte sich indes die letzte offene Disziplinenwertung. Platz sechs reichte, um Vittozzi und Öberg noch zu schlagen. Der italienische Auswärtssieg war der erste Massenstart-Triumph ihrer Karriere – und ein Vorgeschmack auf die kommende WM in Otepää (10.–21. Februar 2027). Dort will niemand mehr an deutsche Medaillen glauben, bevor sie nicht liegen.
Für Hettich-Walz beginnt in ein paar Tagen die Sommerpause. Trainingslager, Rollski, Schießtraining – alles schon terminiert. Die Vorbereitung startet im Mai, der Weltcup beginnt am 26. November in Kontiolahti. Bis dahin bleibt eine Frage hängen: Wer schießt im entscheidenden Moment, wenn die Scheibe zittert und die Saison auf dem Spiel steht? Die Antwort liegt irgendwo zwischen Oslo und der Unsicherheit, die sich in diesem Winter wie Schnee auf die deutschen Gewehre gelegt hat.