Gueye wirft cas-appeal hin: „titel wird auf dem platz geholt, nicht per fax“
Idrissa Gueye will die Goldmedaille lieber selbst nach Rabat fahren, als vor dem Internationalen Sportgerichtshof zu betteln. Der senegalesische Vize-Kapitän lehnt den CAS-Appeal seines Verbandes kategorisch ab – und macht sich für einen Handschlag statt für Anwälte stark.
„Ich sammle die medaillen und liefere sie ab“
Die Worte klingen wie ein Friedensangebot, das keiner erwartet hatte. „Wenn meine Aktion die Wogen glättet, packe ich die Koffer, sammle alle Medaillen ein und bringe sie nach Marokko“, sagte Gueye am Sonntagabend in die Kamera von Canal+. Der Everton-Sechser trug im Finale von Rabat die Kapitänsbinde, weil Kalidou Koulibaly gesperrt zuschauen musste. Er erlebte hautnah, wie Senegal in der Verlängerung das 1:0 erzielte – und wie die marokkanische Delegation zwei Monate später per CAF-Entscheid zum Sieger erklärt wurde, weil die Löwen nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff kurz den Platz verlassen hatten.
Für Gueye ist das Makulatur. „Ein Titel ist kein Schreiben, das man per E-Mail verschickt. Er wird auf dem Rasen erkämpft, mit Schweiß, mit Blut, mit dem Schlusspfiff des Schiedsrichters.“ Die Figur des Midfielders versteifte sich, als er von dem juristischen Nachspiel spricht. „Unser Verband möchte den CAS einschalten. Ich habe intern gesagt: Lasst es. Wenn wir die Trophäe nur behalten, weil ein Richter in Lausanne das so will, schmeckt sie bitter.“TAG8 Der senegalesische Fußballverband hofft
Die logik des verbandes – und die logik des kapitäns
Der 34-Jährige hat genug von Schriftsätzen. Am Samstagabend leitete er mit einem energischen Zwei-Meteer-Pass den 3:0-Sieg von Everton gegen Chelsea ein. Die Toffees rücken in die Europa-League-Ränge vor – und Gueye lachte zum ersten Mal seit Wochen wieder so, als hätte er das Feld vor lauter Freude angezapft. Die Premier-League-Realität wirkt wie ein Ventil für den Frust über die Afrika-Cup-Farce.

Warum er sich stellt, statt zu klagen
Gueye kennt die Wucht der westafrikanischen Rivalität. Er weiß, dass Straßen in Dakar und Casablanca nach dem CAF-Beschluss in Flammen standen. Statt weitere Spannungen zu schüren, setzt er auf Symbolik: „Wenn wir die Medaillen zurückgeben, vielleicht lachen dann 200 Millionen Menschen gemeinsam, statt zu fluchen.“ Die Rechnung ist einfach: Fußball verbindet mehr als Gerichtsurteile je könnten.
Der CAS wird vermutlich im Sommer verhandeln. Selbst wenn der Verband gewinnt, bleibt ein fader Beigeschmack. Gueye will ihn abschütteln. „Ich will, dass meine Kinder später sagen: Mein Vater hat 2024 den Titel auf dem Platz geholt – und anschließend gezeigt, dass Stolz größer ist als Gold.“
Die Trophäe steht noch in einem Verwaltungsgebäude in Dakar. Gueye hat schon den Karton bereitgelegt.
