Odermatt krallt sich super-g-kugel, doch sein gesicht zeigt nur frust
Die Kristallkugel war schon sicher, trotzdem sah Marco Odermatt aus wie nach einer Niederlage. „Ich bin heute unglaublich schlecht gefahren, wahrscheinlich das Schlechteste seit fünf oder sechs Jahren“, donnerte er noch vor dem Zielinterview ins Mikro. Die Zahlen bestätigen den Selbstzorn: Rang 18, 1,37 Sekunden Rückstand – ein Debakel für einen Mann, der diese Saison den Super-G dominiert hatte.
Kriechmayr lacht trotz silber mit dem champ
Vincent Kriechmayr, Zweiter hinter Aleksander Aamodt Kilde, wollte von Mitleid nichts wissen. „Er ist verdient Erster“, winkte er ab, als Odermatt ihn als „wahnsinnig stark“ lobte. Der Österreicher lachte, packte den Rivalen locker an die Schulter. „Ich habe zu viel Risiko eingehen müssen und bin oft verdient draussen gelegen“, gestand er. Die beiden kennen sich seit Juniorenzeiten, teilen sich dieselben Hotels, dieselben Nerven.
Hinter der Zielmulde schwappte trotzdem gute Laune hoch. „Am Abschluss gibt’s immer eine gute Feier, da haben wir uns schon ein paar Mal köstlich amüsiert“, verriet Kriechmayr. Odermatt nickte, doch seine Gedanken kreisten schon um Montag, den Slalom in Andorra. Die Saison ist noch nicht vorbei, die Scharte will er auswetzen.

Die super-g-kugel bleibt trotzdem in der schweiz
4 Disziplinenwertungen hat der Nidwaldner nun, mehr als jeder andere Schweizer vor ihm. Die Statistik interessiert ihn momentan wenig. „Es wäre schön gewesen, mit einem Podest abzuschliessen, damit die Emotionen für die Kugel grösser sind“, sagte er mit schiefem Mund. Stattdessen flog die Kugel ins Zelt, blitzte im Scheinwerferlicht – und Odermatt starrte auf seine Ski, als wären sie Schuld.
Die Konkurrenz feiert trotzdem mit. Kilde holte seinen zweiten Super-G-Sieg dieser Saison, Kriechmayr sicherte sich die kleine Kugel als Zweiter der Jahreswertung. „Ich kann mich glücklich schätzen, im gleichen Zeitraum aktiv zu sein wie Marco Odermatt. Es ist ein Riesenprivileg und spornt uns alle an“, sagte der Salzburger. Ein Satz, der Odermatt kurz lächeln ließ – bevor er wieder in den Tunnel der Selbstkritik verschwand.
Mit 24 Siegen, 13 Podestplätzen und 2.580 Punkten Vorsprung in der Gesamtwertung fährt der Schweizer dennoch in die Geschichtsbücher ein. Die Frust-Show von gestag wird nur eine Fußnote bleiben. Trotzdem: Wer ihn kennt, weiß – er wird diese 1,37 Sekunden nicht vergessen, bevor er nicht zurückschlägt.
