Hertha ringt nürnberg nieder – der aufstieg bleibt trotzdem ein ferntraum
Josip Brekalo schoss zweimal, Hertha BSC schlug zweimal zu – und trotzdem ist am Sonntagabend nichts gewonnen. Die 2:1-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg verpufft als Flickenteppich auf acht Punkte Rückstand zum Relegationsplatz. Die Saison ist nicht gerettet, nur verschoben.
Die reaktion kam, die lücke bleibt
Nach der 2:5-Demütigung in Paderborn hatte Geschäftsführer Peter Görlich ein „Zeichen“ gefordert – und die Mannschaft lieferte eine halbe Stunde lang die Leitl-Version von Energiefußball: hoher Pressingblock, schnelle Umschaltmomente, Brekalo aus 16 Metern. Die Führung in der 20. Minute schien berechtigt, doch schon vor dem Seitenwechsel schlich sich die alte Unsicherheit zurück. Tom Baack nutzte die erste kluge Nürnberger Kombination zur 1:1-Pausenstellung – ein Treffer, der die Berliner Abwehr wie ein Lehrbeispiel für mangelnde Kommunikation aussehen ließ.
Die zweite Hälfte entwickelte sich zu einem Schaukeldrama ohne Kompass. Mittelfeldlinien verloren sich im Nebel, Pässe prallten auf der Mittellinie ab, bis Brekalo in der 88. Minute einen zweiten Versuch aus spitzem Winkel flach unter den Schlussmann jagte. Das Olympiastadion erbebte einen Moment, doch die Jubelwelle schlug sofort gegen die nüchterne Tabelle: acht Punkte Rückstand, nur noch neun Spiele, dazu das schlechteste Torverhältnis der Top-7.

Was wirklich zählt: die zahlen
Hertha holte aus den letzten zehn Partien nur vier Siege – bei 25 Gegentoren. Kein Klub im oberen Tabellendrittel kassierte mehr. Die Trefferquote nach Standards liegt bei 27 %, die Zweikampfquote im defensiven Mittelfeld bei 46 %. Trainer Stefan Leitl nennt das „Detailarbeit“, doch die Details summieren sich zum großen Frust. Görlich hatte vor der Partie gesagt, „Dauerhaft 2. Liga sei zu wenig“ – nun muss er erklären, warum der Kader, der mit 35 Millionen Euro Transferaufwand zusammengebaut wurde, gegen den Tabellen-10. nur über Einzelaktionen gewinnt.
Die Fans sangen nach Abpfiff „Nie zweite Klasse“, aber die Stimmen werden leiser. Die nächsten Gegner: Schalke, Hamburg, Düsseldorf – alles Teams, die sich selbst Aufstieg versprechen. Für Hertha bleibt nur die Mathematik: acht Punkte in neun Spielen aufholen, während drei Konkurrenten straucheln müssen. Ein kleines Wunder, wie Görlich einräumt. Die Wunder, sagt er, „kann man sich nicht erzwingen“. Am Sonntag reichte es nur dafür, dass Josip Brekalo nach dem Spiel vor der Ostkurve stand, die Arme ausstreckte und die leere Mitte der Tabelle anstarrte – ein Bild, das sagt: gewonnen, aber nicht gerettet.
