Hbl-saison 2025/26 spitzt sich zu: gummersbach gegen lemgo wird zur vorentscheidung
Kein Spieltags-Papier ist noch unbeschrieben, doch die Daikin Handball-Bundesliga droht, sich vorzeitig zu zerreißen. Am 24. Spieltag empfängt der VfL Gummersbach den TBV Lemgo Lippe – ein Duell, das vor Wochen noch niemand oben in der Agenda angekreidet hätte. Nun ist es die Partie, die über Champions-League-Träume oder Europapokal-Blues entscheiden kann.
Warum gummersbach gegen lemgo mehr ist als ein topspiel
Der VfL, lange Zeit Störenfried im Mittelfeld, hat sich mit einer Mischung aus taktischem Rückraum-Feuerwerk und einem Torhüter-Duo, das fast schon unverschämt pariert, auf Rang sechs geschlichen. Lemgo, eigentlich als Europacup-Kandidat gehandelt, findet sich auf Platz vier wieder – zwei Punkte vor Gummersbach, aber mit dem Druck, endlich wieder einen Big-Game-Sieg zu liefern. Wer heute Abend um 19 Uhr in der Köln-Sporthalle die Nase vorne behält, spült nicht nur wichtige Punkte auf das Konto, sondern auch Selbstvertrauen für die Schlussphase.
Die Statistik spricht für Lemgo: drei der letzten vier Duelle gewannen die Lipper. Doch die Zahlen lügen diese Saison. Gummersbach hat zuhause bereits Flensburg und Magdeburg geschossen – beide Male mit einem Tor, beide Male in letzter Sekunde. Lemgo dagegen kassierte in den Auswärtsspielen bei den Aufsteigern mehr Gegentore als in jedem Jahr zuvor. Die Defensive wackelt, wenn Linksaußen Bartok den Kreis nicht trifft. Und genau das ist das Paradox: Lemgo trifft am häufigsten aus dem Rückraum, kassiert aber auch die meisten Gegentore nach Kreis-Anspielen. Gummersbach-Trainer Jürgen Schweikardt hat diese Lücke vor Wochen entdeckt und trainiert sie mit Video-Sequenzen, bis die Augen der Spieler brannten.

Hessenderby mit folgen: wetzlar und melsungen liefern sich ein kopf-an-kopf-rennen
Am Sonntag folgt das nächste Brisanz-Feuerwerk. Die HSG Wetzlar empfängt die MT Melsungen – ein Derby, das in dieser Saison nicht nur regionale Stolzfragen klärt. Beide Teams trennen nur zwei Punkte, beide kämpfen gegen den Abstieg. Wer verliert, rutscht auf einen Abstiegs-Relegationsplatz. Wer gewinnt, darf durchatmen – zumindest für 48 Stunden.
Die MT reist mit einem Handicap an: Kreisläufer Weiß ist nach fünf Gelben gesperrt, Rechtsaußen Schagen fällt mit einer Oberschenkelzerrung aus. Wetzlar-Coach Bodo Röhmer wiederum muss auf die tragende Säule im Mittelblock verzichten: Spielmacher Kastening laboriert an einer Schulter-Prellung. Die personellen Lücken schreien nach Einsatzzeit für Nachwuchsspieler – und genau das ist das Risiko. In den letzten fünf Minuten der letzten drei Spiele kassierte Wetzlar 14 Tore – mehr als jede andere Liga-Mannschaft. Die MT wiederum verwandelt nur 62 Prozent der Siebenmeter, Schlusslicht-Wert.
Die Fans erwarten ein offenes Schauspiel, weil beide Teams nicht mehr die Deckungs-Maschinen früherer Jahre sind. Die Tore könnten purzeln wie am Fließband. Die Frage ist nur: Wer kassiert weniger?

Die tabelle lügt nicht – aber sie verrät auch nicht alles
Magdeburg führt mit 42 Punkten vor Flensburg (40) und Kiel (38). Das scheint klar. Doch dahinter tobt ein Kampf, der sich in Zählern kaum abbildet. Platz vier bis acht trennen vier Punkte. Die Ausgangslage: Wer auf Rang vier oder fünf landet, spielt mindestens European League, wer Sechster wird, muss in die Quali – und trifft dort vermutlich auf einen französischen Topklub. Die Physiotherapeuten der Klubs haben deshalb bereits die Eiswürfel-Vorräte verdoppelt.
Die restlichen zehn Spieltage bis zum 7. Juni versprechen kein geradliniges Rennen. Die Länderspiel-Pausen zwingen Coaches, Rotationen zu planen. Die Pokal-Halbfinals am ersten Mai-Wochenende könnten zusätzliche Spiele bringen. Und wer in der Rückrunde zwei Mal gegen Magdeburg oder Flensburg antreten muss, hat das Nachsehen. Der Spielplan ist kein Zufall, er ist ein Spiegel der Leistung – und manchmal auch der Kasse.
Die Daikin HBL bleibt auf Dyn zu sehen, einige Spiele laufen bei ARD und ZDF. Welt zeigt sonntags das 15-Uhr-Spiel – gratis, aber mit Werbeunterbrechungen. Für Fans ein Glücksfall, für Liga-Chef Böhmann ein Dilemma: Sichtbarkeit versus Einnahmen. Die Entscheidung fällt nicht am Grünen Tisch, sondern auf dem Parkett. Dort, wo Gummersbach und Lemgo heute Abend um 19 Uhr den ersten Schlag austeilen. Danach ist die Liga ein bisschen weniger unberechenbar – oder eben ein Stück mehr.
