Hanning zieht vierten azurri nach potsdam – savini soll den rückraum entfachen

Der 1. VfL Potsdam wird immer italienischer. Bob Hanning hat mit Giacomo Savini erneut einen Nationalspieler aus dem Boot seiner Azzurri an die Havel gelotst. Der 27-jährige Mittelmann unterschreibt für zwei Jahre und rückt in den Kreis von drei Landsleuten, die den Aufstieg in die 1. Bundesliga schon mal trainieren.

Die Transfer-Bilanz des Sportdirektors liest sich wie ein Who-is-Who der italienischen Nationalmannschaft: seit Sommer 2025 folgten Andrea Parisini, Matteo Zanella und Luca Spinnelli dem Ruf Hannings. Nun also Savini, der zuletzt beim Cassano Magnago HC in der Serie A spielte und in Spanien und Frankreich die nötige internationale Reife sammelte.

Potsdam bekommt einen „allrounder mit sozialer intelligenz“

Hanning lobt nicht nur Savinis Wurfvarianten, sondern vor allem seine Fähigkeit, Gruppen zusammenzuschweißen: „Er trägt Stimmung in die Kabine, schaltet auf dem Feld schnell und hat diesen unbedingten Willen, den wir für die engen Spiele brauchen.“ In der 2. Bundesliga geht es oft um Nuancen. Ein verlorener Ball, ein verpasstes Tempo – und schon kassiert man den K.o. Gegen die Defensivblöcke aus Hildesheim, Bietigheim oder Rimpar will Hanning mit flexiblen Rückraumformationen antreten. Savini kann links wie rechts wirbeln und deckt mit 1,90 m auch die Mittelposition.

Der Neue selbst zeigt sich in Videobotschaften sichtlich erleichtert, dass der Wechsel vor der Europameisterschaft 2026 klappt. „Ich kenne Parisini und Zanella aus der Jugend, wir sprechen täglich über taktische Codes“, sagt Savini. Gemeinsam wollen sie den 1. VfL zu jener Konstanz führen, die der Klub zuletzt in der Saison 2023/24 zeigte, als man bis Spieltag 15 ungeschlagen blieb.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Potsdam kassierte in dieser Spielzeit 35 Tore weniger als in der Vorsaison, schaffte aber nur 562 eigene Treffer – 72 weniger als Aufsteiger HSG Konstanz. Genau diese Lücke will Hanning mit italienischem Flair schließen. Savini kommt mit 122 Einsätzen für die Squadra Azzurri, warf 356 Tore und lieferte 198 Vorlagen. In der Defensive mischt er mit hartem Pressing, das ihn auch bei Fans beliebt machte – 37 Ballgewinne in der laufenden EM-Quali, mehr als jeder andere italienische Rückraumspieler.

Ein transfer mit em-vorhang

Ein transfer mit em-vorhang

Hinter den Kulissen laufen bereits Sondierungen für weitere Azurri-Talente. Hanning genießt in Italien Kultstatus, weil er als Trainer die Nationalmannschaft nach 24 Jahren wieder in ein EM-Halbfinale führte. Sponsoren aus dem Land der Dolce Vita stehen Schlange. Der 1. VfL sicherte sich zusätzlich Kooperationsverträge mit Ausrüstern aus Mailand, was dem Klub neue Merchandising-Einnahmen beschert.

Kritische Stimmen fragen sich indes, ob Potsdam nicht zu abhängig von einer einzigen Nation wird. Die Mannschaftssprache im Training wechselt zwischen Deutsch und Italienisch, was vor allem junge Nachwuchskräfte herausfordert. Torhüter Finn Zolper sagt trotzdem: „Wenn wir aufsteigen wollen, brauchen wir Qualität, egal aus welchem Land.“

Am 5. April geht es für den 1. VfL zum Kellerduell nach Emsdetten. Dort will Savini seine ersten Minuten sammeln – und beweisen, dass seine 1,3-Millionen-Euro-Ablöse keine Luftnummer ist. Hanning schmunzelt nur, wenn man ihn auf die Summe anspricht: „Geld ist ein Mittel, keine Garantie. Entscheidend ist, wer bereit ist, sich in der Kabine zu verbiegen.“

Bislang sieht es danach aus. Die italienische Kolonie in Potsdam wächst – und mit ihr der Traum vom ersten Bundesliga-Aufstieg seit 2009. Wenn Savini, Parisini, Zanella und Spinnelli ihre Taktik-Whatsapp-Gruppen so weiter pflegen wie bisher, könnte der 1. VfL zur besten Adresse für südlichen Esprit im deutschen Handball werden. Die Konkurrenz schaut bereits nervös nach Brandenburg.