Hannawald schlägt mitter vor: österreicher soll horngachers erbe antreten
Sven Hannawald hat gesprochen – und wieder einmal die Debatte entfacht. Der letzte deutsche Vierschanzentournee-Sieger spricht sich klar für Andreas Mitter als neuen Bundestrainer aus. „Das befürworte ich“, sagt Hannawald im Gespräch mit der Sportschau. Dahinter steckt mehr als nur Sympathie. Es geht um Kontinuität, um Erfahrung, um den nächsten Schritt in einer Zeit, in der der Skisprung-Nachwuchs um Orientierung ringt.
Mitter kennt den dsv von innen – und das ist sein trumpf
Andreas Mitter ist kein Fremder. Der 44-jährige Österreicher war jahrelang Co-Trainer an Stefan Horngachers Seite. Er kennt die Athleten, die Strukturen, die internen Codes. „Er hat einen guten Zugang zu den Springern“, betont Hannawald. Das klingt banal, ist es nicht. In einem Sport, in dem Millisekunden über Sieg und Niederlage entscheiden, zählt Vertrauen. Mitter hat es sich erarbeitet – nicht nur in Deutschland. Er trainierte zuvor den österreichischen C- und B-Kader, wurde Chefcoach in Finnland. Ein Lehrgang im kleinen Maßstab, aber mit großer Wirkung.
Horngacher hingegen verabschiedet sich mit gemischten Gefühlen. „Er hat alles erreicht“, sagt Hannawald – und meint damit Karl Geiger, Philipp Raimund, den Olympiasieg. Doch es fehlt das große Nachfolge-Modell. „Schade, dass er es nicht geschafft hat, meinen Nachfolger zu kreieren“, gibt Hannawald offen zu. Ein Satz, der wehtut. Denn er trifft den Kern der Krise: Deutschland hat Talente, aber keine neue Helden-Ära.

„Nur bestes material darf nicht gewinnen“ – hannawalds kampfansage
Hannawald redet nicht nur über Personen. Er redet über die Zukunft des Sports. Regeländerungen, Anzugsvorgaben, Punktierungen – er hat sie alle kritisiert. Jetzt legt er nach: „Nur bestes Material darf nicht gewinnen.“ Der Sprung muss wieder der Springer sein, nicht die Carbon-Konstruktion an seinem Körper. Es ist ein Plädoyer für mehr Seele in einem Sport, der sich selbst vermessen hat.
Und dann dieses Bild: „Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die erste gemeinsame Tournee mit den Frauen.“ Hannawald strahlt, wenn er über die Entwicklung des Frauenskisprungs spricht. Kein Pathos, keine Phrase. Nur echte Begeisterung. Das ist selten in einem Geschäft, das sich oft selbst ernst nimmt.
Am Ende bleibt ein Satz hängen: „Am Ende liegt es an denen, die oben auf dem Balken sitzen.“ Gemeint sind die Athleten. Und vielleicht auch wir. Die, die springen. Die, die zuschauen. Die, die entscheiden – wer springt, wer fällt, wer die Zukunft macht.
