Pesic legt auf: „hör endlich auf!“ – die letzte fahrt des zauberers
Svetislav Pesic trifft seine Entscheidung nicht im Kreise der Familie, nicht im Büro, sondern allein im Hotelbett, kurz vor einem Euroleague-Spiel. „Was machst du hier, bist du verrückt?“ sagt er sich selbst. Der 76-Jährige schließt die Augen, atmet durch – und beendet eine Ära, die deutschen Basketball seit 1993 immer wieder auf Trab hält.
Ein anruf aus münchen war genug
Nach dem Serbien-Abschied 2025 wollte er eigentlich ruhen. Doch als der FC Bayern Gordon Herbert entlässt, klingelt das Telefon. Präsident Herbert Hainer bittet. Pesic sagt sofort ja – „nur für Bayern“, betont er. Mit Sohn Marko als ehemaligem Geschäftsführer ist der Club Familie. 2014 holte er mit den Bayern die Meisterschaft, nun jagt er den letzten Titel.
Die Euroleague-Playoffs verpasst, dafür die Bundesliga im Visier. Die Spieler spüren: Der Coach arbeitet wie ein Uhrwerk, aber seine Gedanken wandern schon weiter. „Die 90 schaffst du noch, das sind noch 13 Jahre“, rechnet er im Interview mit der „Zeit“ vor. Dann lacht er, aber es klingt wie ein Stich.

Die trophäen, die niemand mehr zählt
EM-Gold 1993 mit Deutschland. Welt- und Europameister 2001 und 2002 mit Jugoslawien. Bronzemedaille 2024 mit Serbien gegen eben jene deutsche Mannschaft, die er einst zum Mythos erhob. Pokalsieger mit Alba Berlin, Euroleague-Champion mit Barcelona. Die Liste ist länger als ein Nachtflug nach Belgrad, aber Pesic trägt sie locker im Jackett.
Was bleibt, ist die Erkenntnis im Januar-Hotel: „Schluss mit Basketball, hör endlich auf!“ Kein Drama, kein Abschiedstournee-Rummel. Nur ein Mann, ein Bett, ein Satz – und eine Legende, die sich selbst entlässt.
Nach dieser Saison ist Schluss. Wer danach noch nach Nachfolgern sucht, muss nicht weit blicken: Pesic hat jedem Co-Trainer sein Lehrbuch hinterlassen, komplett ohne Abschiedstränen. Der Meister geht, der Mythos bleibt.
