Hanfmann knallt in marrakesch: deutscher tennis-rebell lebt auf

Yannick Hanfmann schlägt zurück. Nach dem Frust von Miami zerlegt der Karlsruher im roten Staub von Marrakesch den Niederländer Jesper de Jong mit 7:6 (8:6), 6:4 – und kündigt an, dass er sich von der Sunshine-Disappointment nicht lange grämen wird.

Die Zahl, die alle sprachlos macht: 34 Jahre. In einem Sport, der Teenager zum Millionär macht, ist Hanfmann ein Spätstarter mit Durchhaltevermögen. Erst im Februar in Santiago hatte er das Endspiel erreicht, nun der nächste Stich ins Herz der Jungen.

Die schlagfolge, die de jong in den schatten stellt

Erster Satz, Tiebreak. De Jong serviert bei 6:5, Hanfmann antwortet mit einem Return-Winner, dem ersten von drei in Serie. Der Ball kracht an die Linie, der Holländer schreit „Nein!“, der Deutsche lächelt wie ein Kartenspieler, der gerade das Ass aus dem Ärmel gezogen hat.

Im zweiten Durchgang dann die Kälte. Hanfmann geht mit 4:3 in Führung, schlägt sofort zu und lässt nichts mehr anbrennen. Kein Breakball mehr für de Jong, kein Hauch von Zweifel. Hanfmann serviert den Matchball aus, zieht die Faust zurück – und spielt ihn runter wie einen Trainingsschlag.

„Ich habe mir gesagt: Entweder du trittst jetzt auf die Tube oder du fliegst wieder heim“, sagt er im Interview mit Sport1. Die Wahl fiel auf Tube.

Marokkanischer traum oder nächste falle?

Marokkanischer traum oder nächste falle?

Im Achtelfinale wartet Karim Bennani, der Local Hero. Das Stadion wird kochen, die Trommeln werden drohnen. Hanfmann lacht: „Ich liebe genau diese Atmosphäre. Wenn die Menge gegen dich ist, spürt man, dass man lebt.“

Die Statistik lügt nicht: Hanfmann hat auf Sand eine Quote von 68 Prozent gewonnener Matches in den letzten zwölf Monaten. Bennani steht bei 52. Die Favoritenrolle ist klar, aber der Underdog hat das Publikum auf seiner Seite.

Und die deutsche Tennis-Einsamkeit? Außer Hanfmann ist kein einziger Bundesbürger mehr im Hauptfeld. Während Alexander Zverev in Monte Carlo trainiert und Jan-Lennard Struff sich in München schont, ist Hanfmann der letzte Mann, der die Flagze hochhält – ganz allein zwischen Palmen und Minaretten.

Er spielt nicht nur für sich. Er spielt für alle, die gelernt haben, dass Karriere nicht mit 20 endet, sondern mit 34 erst richtig beginnen kann.