Handball-kuriosum: melsungen will verlieren, um zu gewinnen!

Ein regelrechtes sportliches Paradoxon hat sich in der Handball-Bundesliga entwickelt: Die MT Melsungen, frischgebackene Sieger der European League, stehen vor einem Spiel, in dem ihnen ein klarer Verlust am Donnerstag gegen die Füchse Berlin (20 Uhr, Dyn) den Weg in die Champions League ebnen könnte. Ein Szenario, das sich wohl selbst der ambitionierteste Sportvorstand vor Saisonbeginn kaum hätte ausmalen lassen.

Die ehf-regeln und ihre unerwarteten folgen

Die ehf-regeln und ihre unerwarteten folgen

Die komplizierten Vorgaben der Europäischen Handball-Föderation (EHF) haben zu dieser höchst ungewöhnlichen Situation geführt. Melsungen, als Triumphator der European League, darf in der kommenden Saison nur in der Champions League antreten, wenn eine bestimmte Tabellenkonstellation in der Bundesliga gegeben ist. Und diese Konstellation sieht vor, dass die Füchse Berlin den zweiten Platz hinter dem unangefochtenen Meister SC Magdeburg einnehmen müssen. Das bedeutet, dass Melsungen, um seine Chance auf die Königsklasse zu wahren, auf einen Sieg der Berliner hoffen muss – ein Gedanke, der selbst eingefleischte Handballfans Kopfzerbrechen bereitet.

Nicolej Krickau, Trainer der Füchse Berlin, zeigte sich sichtlich verwirrt angesichts dieses Regelwerks. „Also das habe ich auch so noch nie erlebt“, gestand er gegenüber Sport BILD. „Klar, in Dänemark hatte ich durch das Play-off-System schon Spiele, wo Teams nicht gegen den oder den spielen wollten. Aber hier geht es um richtig viel, um den Champions-League-Platz und einen finanziellen Unterschied für die Klubs.“ Die Füchse selbst sind natürlich bestrebt, den zweiten Platz und damit den Vizemeistertitel zu sichern, was ihnen ebenfalls einen wichtigen finanziellen Schub bringen würde.

Doch was bedeutet das für das Spiel selbst? Krickau betonte, dass er sportfachlich keine Veränderungen in der Vorbereitung vornehmen werde: „Wir kommen mit vollem Feuer, spielen ein Finale, wollen gewinnen und die Saison mit Platz 2 abschließen.“ Dennoch werde er seine Mannschaft mental auf alle möglichen Szenarien vorbereiten, da die Unklarheit über Melsungens Motivation – feiern oder kämpfen – einen zusätzlichen Faktor ins Spiel bringt. „Wir wissen eben nicht, ob Melsungen noch im Feier-Modus ist, oder es mit Lockerheit angeht, das ist außerhalb unserer Kontrolle“, so der Coach.

Der Druck liegt auf beiden Teams, obwohl die Ausgangslage völlig unterschiedlich ist. Flensburg und Gummersbach lauern im Hintergrund und wollen ebenfalls am zweiten Platz ein Wörtchen mitreden. Es verspricht ein hochspannendes Duell zu werden, bei dem nicht nur die sportliche, sondern auch die finanzielle Zukunft der Vereine auf dem Spiel steht. Die EHF möge sich eines Besseren bewusst werden, wenn es darum geht, solche komplizierten Regelkonstrukte zu entwerfen, die am Ende mehr Fragen aufwerfen als Antworten liefern.