Hadergjonaj explodiert: acht tore, acht assists – kosovo-star feiert seine türkei-offensive

Florent Hadergjonaj ballt die Faust, sprintet zur Südkurve und lässt die Arme sinken – 28 Pflichtspiele, acht Tore, acht Assists. Die Zahlen sind kein Tippfehler, sondern die Visitenkarte eines Abwehrspielers, der plötzlich wie ein Stürmer wirkt. Bei Alanyaspor erlebt der 30-Jährige die Saison seines Lebens und katapultiert sich damit mitten in die WM-Träume des Kosovo.

Von thun bis alanya: die lange reise zum durchbruch

Geboren im Emmental, aufgewachsen im Nachwuchs von FC Thun, verpflichtet von Luzern, geprägt bei den Young Boys – Hadergjonajs Vita liest sich wie ein Schweizer Lehrbuch. Doch wer ihm auf dem Trainingsgelände von Alanya zusieht, merkt schnell: Dieser Florent ist ein anderer. Die Sprache ist Türkisch, die Körpersprache Selbstbewusstsein. Die 1,81 m große Außenbahn hat sich zur Offensivwaffe geadelt.

Die Stationen Ingolstadt und Huddersfield schärften sein Profil, aber erst die Türkei öffnete die Tore. Seit 2023 trägt er das Trikot von Alanyaspor, und die Statistik spricht eine klare Sprache: Noch nie zuvor steuerte er in einer Saison mehr als drei Scorerpunkte bei. Jetzt sind es 16 – und die Spielzeit ist noch nicht vorbei.

Kosovo blickt auf seinen playoff-helden

Kosovo blickt auf seinen playoff-helden

Die Nationalmannschaft, seit 2016 in der FIFA-Familie, spielt Ende März die WM-Playoffs. Gegner: Ian Baracloughs Nordirland. Termin: 26. März. Ort: Prishtina. Das Stadion wird kochen, und Hadergjonaj wird voraussichtlich auf der rechten Seite starten. 38 Länderspiele, ein Debüt im Jahr 2019, ein einstiger Wechsel von der Schweiz zum Kosovo – das alles klingt nach Routine. Doch diese Routine bekommt plötzlich Torschützen-Glanz.

Trainer Primož Gliha weiß, dass seine Taktik an der Außenbahn hängt. Hadergjonaj liefert nicht nur defensive Stabilität, sondern auch die gefährlichen Flanken und setzt Standards mit links. „Er ist unser Turbo“, sagte Gliha nach dem 3:1-Sieg gegen Ankaragücü, in dem der Emmentaler einen Doppelpack schnürte.

Was die zahlen verschweigen

Was die zahlen verschweigen

Die Bilanz sieht nach Offensivfeuerwerk aus, doch dahinter steckt Arbeit. Hadergjonaj absolvierte in dieser Saison bereits 2.340 Spielminuten – persönliche Rekordmarke. Seine Sprintwerte lagen laut Datenservice „Sofascore“ in fünf Partien über 35 km/h. Ein Außenverteidiger mit Stürmer-Metrik, das gibt es selten in der Süper Lig.

Alanyaspor liegt momentan auf Rang fünf – Europa-League-Ränge sind greifbar. Der Klub schuldet dem kosovarischen Nationalspieler keine kleine Teilhabe. Marketingchef Baris Gülden bestätigt, dass die Nachfrage nach Hadergjonaj-Trikots um 220 % gestiegen ist. „Florent verkörpert den modernen Außenbahnspieler – schnell, technisch, torgefährlich“, sagt Gülden.

Die stunde der wahrheit naht

Die stunde der wahrheit naht

Am 26. März geht es für Kosovo um Alles oder Nichts. Die FIFA-Rangliste ist gnadenlos, der Gegner Nordirland erfahren. Hadergjonaj selbst schwärmt nicht, er schwitzt. „Ich bereite mich vor, als wäre es ein Finale“, sagte er der türkischen Zeitung „Fanatik“. Ein Sieg, und die Reise Richtung WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada beginnt.

Die Fans in Prishtina haben schon jetzt Plakate mit seinem Konterfei in den Straßen hängen. „Florent, bring uns nach Amerika!“ steht darunter. Nach seiner aktuellen Form ist das kein frommer Wunsch, sondern eine reale Chance. Und sollte er treffen, wird er wohl wieder zur Kurve sprinten – diesmal nicht in Alanya, sondern im eigenen Land. Die Prognose lautet: Es wird laut.