Gummersbach schlägt zurück: dujshebaev-transfer entzweit die liga

Der VfL Gummersbach hat die Handball-Bundesliga erwischt, wie man einen Gegner auf dem Spielfeld: unvorbereitet. Mit Alex Dujshebaev kommt nicht irgendein Star, sondern der Mann, der in Kielce drei Mal die Champions League gewann undSpanien 2021 zur Weltmeisterkrone führte. 33 Jahre jung, 1,88 m groß, ein Linkshänder mit Knall – und plötzlich Oberbergens neues Gesicht.

Heiner brand sieht alte zeiten aufleben

„Das ist schon interessant“, sagt Heiner Brand und lacht leise. Der 73-Jährige kennt jeden Winkel der Schwalbe-Arena, holte dort als Spieler und Trainer acht Deutsche Meisterschaften. Jetzt sitzt er vor dem Fernseher und spürt: etwas Bewegt sich. „Gummersbach hatte lange keinen Spieler mehr, der auf Anhieb ein ganzes Land elektrisiert.“ Dujshebaev tut es. Seine Vertragsunterschrift gilt als dickster Transfer seit Daniel Narcisse 2010 nach Hamburg wechselte.

Doch der Deal hat zwei Seiten. Weg von Kuzmanovic, dem emotionalen Abwehrchef, hin zu einem Torwart, den Brand erst bei der EM auf dem Schirm hatte: Ignacio Biosca. „Den habe ich da das erste Mal bewusst gesehen. Da verliert man Kuzmanovic – da würde ich nicht zu sehr drauf pochen.“ Klarheit in der Brand-Sprache: Biosca muss sich beweisen, Dujshebaev ist die versprochene Waffe.

Warum gummersbach jetzt wieder angreift

Warum gummersbach jetzt wieder angreift

André Schindler, Sportlicher Leiter, nannte es offen: „Wir wollen mehr.“ Mehr als Platz sieben, mehr als Viertelfinale, mehr als Lächeln im Regionalfernsehen. Die Zahlen sprechen für ihn: In den letzten drei Jahren stieg das Sponsorenvolumen um 34 Prozent, die Dauerkarten sind seit 2022 ausverkauft. Doch Geld allein macht keine Titel. Man braucht einen Identifikationspunkt. Dujshebaev ist dieser Punkt. Spanischer Champion, Weltmeister, Kult-Linker – und nun das Aushängeschild eines Traditionsclubs, der seit 17 Jahren ohne Trophäe dasteht.

Die Konkurrenz schaut neidisch. Kiel verliert Dika Mem an Berlin, Magdeburg muss um Gísli Þorgeir Kristjánsson bangen, und ausgerechnet Gummersbach – Ort mit 17.000 Seelen – präsentiert den Coup. Die Liga spürt: die geografische Karte verändert sich. Die Machtzentren bekommen Gesellschaft vom ländlichen Revier, das sich neu erfindet.

Roganovic, schwedisches Riesentalent, kommt ebenfalls, aber sein Name fällt fast unter den Tisch, seit Dujshebaev durch die Medien rauscht. Ein Nebeneffekt, den Schindler genießt: „Wir haben jet zwei Gesichter – das junge und das erfahrene. Beide erzählen die gleiche Story: Gummersbach ist wieder bereit, ganz oben mitzureden.“

Die stunde der wahrheit folgt 2026

Die stunde der wahrheit folgt 2026

Brand warnt trotzdem: „Es gibt viele Vereine, die auf ihre Position beharren wollen.“ Er nennt keine Namen, meint aber Berlin, Flensburg, Magdeburg. Die Punkte werden teurer, die Spieltage länger, die Verletzungslisten länger. Doch genau das schmeichelt dem VfL. Denn seit 2006 wartet der Club auf sein neuntes Gold. Die Generation der Kinder, die damals auf den Rängen stand, ist heute Erwachsene mit Kindern. Sie wollen das alte Gefühl zurück: Schwalbe-Arena, 12.000 Stimmen, ein Gegner, der zittert.

Am 30. Juni 2026 läuft Dujshebaev’ Vertrag in Polen aus, am 1. Juli trägt er erstmals das blau-weiße Trikot. Dann ist Schluss mit Geheimnissen. Dann zählt nur noch das Ergebnis. Brand zieht schon einmal Bilanz: „Wenn er fit bleibt, wird er 35 Tore machen und zehn Anlagen entscheiden. Ob das reicht? Fragt mich in Mai 2027.“ Er grinst. Denn genau diese Ungewissheit ist das Salz in der Bundesliga-Suppe – und Gummersbach hat eben das größte Stück davon abgebekommen.