Cardinale verlässt milan erst, nachdem er allegri die zukunft versichert
Gerry Cardinale hat nach dem 2:1 im Derby Mailand den Koffer gepackt – aber nur, weil er sich sicher ist, dass Max Allegri der Mann für die nächsten Jahre ist. Der Gründer von RedBird verlässt Italien mit dem Gefühl, dass sein Milan-Projekt endlich Fahrt aufnimmt. Und er kommt bald zurück.
Allegri steht im zentrum des plans
Die Entscheidung ist gefallen: Allegri bleibt, egal wie die Saison endet. Die Klausel für die Verlängerung bis 2028 liegt beim Vorstand, und Cardinale wird sie ziehen, sobald die Champions-League-Qualifikation feststeht. Doch intern ist längst klar: Der Coach aus Livorno ist nicht nur Feuerwehrmann, sondern Architekt. Nach dem Debakel der Vorsaison – Platz acht, 63 Punkte – hat er die Defensive zur besten der Serie A gemacht (nur 18 Gegentore nach 28 Spielen) und die Mentalität neu kalibriert.
Cardinale lobte am Rande des Derbys die „Professionalität“ von Ibrahimovic, Furlani und Sportdirektor Tare, die im Sommer ohne Zögern auf Allegri gesetzt haben. Der Investor telefoniert fast täglich mit der Geschäftsführung und hat intern betont: „Wir haben nicht gekauft, um zu verkaufen, sondern um zu gewinnen.“ Die Supercoppa-Sensation gegen Inter in Riad (3:2 n.V.) war erst der Anfang. Für ihn zählt jetzt: Top-Vier, neue Stadien-Partnerschaft, nachhaltige Gewinne. Ein Scudetto wäre der Bonus, kein Muss.

Modric und rabiot lieferen sofort beweise
Die beiden Winter-Neuzugänge haben nach nur wenigen Trainingseinheiten die Kabine gespalten – im positiven Sinn. Modric’ erste Ansprache im Mix aus Kroatisch, Spanisch und Italienisch endete mit dem Satz: „Wir sind Milan, wir spielen, um Titel zu holen.“ Rabiot wiederum organisierte nach dem Sieg gegen Inter die Spotify-Playlist für die Heimreise und stellte sich dabei vor jeden jungen Spieler, um ihm die Schulter zu klopfen.
Allegri nutzt die beiden als Verlängerung seiner Stimme. Beim 2:1-Sieg schrie Modric fast mehr Anweisungen als der Coach an der Seitenlinie. Die Statistik liefert den Beweis: Seit ihrer Einwechslung gegen Bologna kassierte Milan in sieben Partien nur zwei Gegentore. Die Balleroberungen im Mittelfeld stiegen um 14 Prozent. Cardinale sah die Zahlen und sagte lediglich: „Das sieht nach Identität aus.“

Cardinale plant neues italien-tempo
Der nächste Besuch ist bereits terminiert: Nach der Länderspielpause wird der Amerikaner mit seinem Private-Jet in Linate landen, um die Ausgliederung des Stadion-Projekts endgültig abzusegnen. Ein neues Joint-Venture mit Investoren aus dem Golf soll bis 2026 die San Siro-Modernisierung finanzieren – und Milan unabhängig von der Kommunalpolitik machen. Intern spricht man von „Project Liberty“, weil der Klub künftig Einnahmen aus Events, Shopping und Entertainment selbst steuern kann.
Bis dahin will Cardinale die sportliche Basis sichern. Die Option für Allegri ist nur der erste Schritt. Parallel laufen Gespräche mit Leao über eine Gehaltsanpassung auf 7 Millionen Netto plus Bonus. Der Portugiese trägt seit dem Derby auf seinen Schienbeinschonern die Aufschrift „King of Milano“ – ein Slogan, den Cardinale inzwischen als Marke beim US-Patentamt hat eintragen lassen. Das sagt alles über seinen Anspruch.
Milan spielt gegen Udinese, dann folgt das Double-Header gegen Roma und Atalanta. Sechs Punkte, und die Champions-League-Quali ist so gut wie sicher. Cardinale wird wieder auf der Tribüne sitzen, diesmal mit seinem Sohn, der seit Januar als Praktikant im Scouting arbeitet. „Wir bauen hier etwas auf Dauer“, sagte er kurz vor dem Abflug. „Und Dauer beginnt mit Vertrauen.“ Für Allegri, für Milan – und für den nächsten Titel.
