Guardiola wirft arsenal den liga-pokal hin – und rettet sich selbst

Wembley wird am Sonntag zur Notaufnahme. Pep Guardiola, vor einer Woche noch der Gefeuerte von morgen, darf gegen Arsenal die Schockstarre nach dem Champions-League-K.o. mit dem ersten Titel der Saison therapieren. 17:30 Uhr, League-Cup-Finale – und plötzlich zählt nur noch ein Satz: Gewinnen oder weg.

Die zahlen, die guardiola nachts wach werden lassen

Neun Punkte Rückstand in der Premier League, 0:3 und 1:2 gegen Real Madrid, drittes Achtelfinal-Aus in Folge. Manchester City hat seine Europäer-Aura verloren, nun droht die erste Trophäenlose-Saison seit 2016. Die Statistik ist gnadenlos: Seit dem Triumph 2023 hat City in 14 K.o.-Partien nur vier gewonnen. Die Maschine stottert, und der Trainer weiß, dass ein Pokal-Sieg nicht rettet – aber Verlieren ihn in die Schlagzeilen spült, aus denen man sich kaum noch herausschreibt.

Arsenal reist dagegen als Cup-Favorit, obwohl die letzte Trophäe schon wieder sechs Jahre her ist. Mikel Arteta, einst Pep Assistent, hat die Gunner in eine ballersche Ballmaschine verwandelt: 73 Tore in 29 Liga-Spielen, die beste Defensive, die jüngste Startelf. Für ihn ist Wembley keine Nebensache, sondern die Befreiung vom Vorwurf des „Fast-Meisters“. 2020 gewann er den FA Cup, seitdem nichts. „Wir haben gelernt, dass schönes Spiel allein keine Pokale bringt“, sagt er knapp.

Knackpunkt: der mittelfeld-knall

Knackpunkt: der mittelfeld-knall

Die taktische Schlüsselduell brennt zwischen den Sechsern. Rodri fehlt City wegen Gelb-Sperre – ein Loch, das in dieser Saison nur einmal nicht existierte: beim 0:0 gegen Arsenal im Oktober. Ohne ihn kassierte City in 17 Partien 18 Gegentore, mit ihm nur acht. Auf der Gegenseite steht Declan Rice, der für 116 Millionen Euro gekauft wurde, um genau diese Spiele zu entscheiden. Seine Zweikampfquote von 64 % ist Liga-Spitze, seine Balleroberungen führen direkt zu 12 Arsenal-Toren. Wer hier dominiert, bestimmt den Rhythmus – und wahrscheinlich den Pokal.

Guardiola hat intern bereits durchblicken lassen, dass er mit einem verlorenen Finale leben könne – nicht aber mit einer erneuten Leistungskollaps wie gegen Madrid. Die Anweisung lautet: Rückwärtsverteidigung sofort nach Ballverlust, kein Risiko in der Aufbauphase, dafür frühes Umschaltspiel. Kurz: Der Meister der Kontrolle will kontrollierten Schaden. Arteta dagegen setzt auf Tempo. Bukayo Saka und Gabriel Martinelli trainierten diese Woche speziell die direkte Vertikalbewegung nach Ballgewinn – eine Sequenz, die City in der Liga-Partie noch Probleme bereitete.

Die stunde der zweiten reihe

Die stunde der zweiten reihe

Beide Klubs ringen mit dem englischen Kalender-Monster. Arsenal hatte 72 Stunden vor dem Finale nur Heimspiel-Pflicht, City musste nach Madrid fliegen und zurück. Deshalb dürften die Bankspieler entscheiden. Phil Foden, in der Liga schon siebenmal eingewechselt, könne „eine Halbzeit lang alles kaputt machen“, sagt Guardiola – und meint damit, dass der Engländer in 30-Minuten-Dosen unspielbar wird. Bei Arsenal lauert Leandro Trossard, der mit fünf Einwechsel-Toren die meisten in der Liga hat. Ein Treffer aus dem Nichts, das ist in beiden Lagern realistischer als ein taktisches Meisterwerk nach 120 Minuten.

Die Wettquoten sehen Arsenal leicht vorn – nicht wegen der Form, sondern wegen der Geschichte. City gewann zwar drei der letzten vier Pflichtspiele gegen die Gunners, aber alle in der Liga. Im Pokal klingt das 3:0 von 2023 noch nach, damals im FA-Cup-Viertelfinale. Arsenal-Fans haben den Spruch parat: „Wembley ist unser zweites Zuhause – nur ohne die Preise von Nord-London.“

Pokal-Siege sind keine Trendwenden mehr, sie sind Notnagel. Gewinnt City, retten sich Guardiola und seine Leistungsträger ein paar Wochen Atem. Verliert er, lautet die Frage nicht mehr, ob der Trainer geht, sondern wann. Gewinnt Arsenal, ist der Bann gebrochen – und die Meisterschaft nur noch Formsache. Beide Teams spielen also um mehr als Silber: um Zeit. Zeit für Pep, um zu beweisen, dass seine Ära nicht verglüht. Zeit für Arteta, um endlich das Etikett des ewigen Talents abzustreifen. 90, vielleicht 120 Minuten. Dann liegt die Saison entweder in Scherben – oder im Pokal.