Guardiola rechnet mit dem fußball ab: niederlagen gehören zum sport

Pep Guardiola trat vor die Mikrofone, als stünde er nicht vor einem Spiel, sondern vor einem Tribunal. 3:0 hinten, Real Madrid jubelte im Bernabéu, und nun droht Manchester City das Aus in der ChampionsLeague. Doch statt von „Rückkampf“ sprach der Katalane von Respekt – vor dem Gegner, vor der Geschichte, vor der eigenen Begrenztheit.

Guardiola zitiert antetokounmpo: „scheitern ist ein gefühl, keine tabelle“

Guardiola zitiert antetokounmpo: „scheitern ist ein gefühl, keine tabelle“

Er nahm die Parole des Basketball-Superstars Giannis Antetokounmpo auf, jener Nacht, als die Milwaukee Bucks früh aus den Playoffs flogen. „Du hast nicht versagt, du hast verloren“, hatte der Grieche damals gesagt. Guardiola machte daraus ein Manifest: „Niemand hat das ewige Siegen verdient. Es gibt nur das ewige Versuchen.“

Die Zahlen sprechen gegen ihn. Vier Tore braucht sein Team, ohne eins zu kassieren. Statistiker geben City 4 % Chance aufs Weiterkommen. Doch Guardiola wirft die Statistik in dieselbe Schublade, in der schon die Begriffe „Katastrophe“ und „Debakel“ liegen. „Wir haben 15 Jahre lang versucht, diese Trophäe zu holen. Dann haben wir sie geholt. Und dann noch mal. Soll das Scheitern sein?“

Er erinnert an das Real Madrid der „Quinta del Buitre“, an Butragueño, Sanchís, Martín Vázquez. „Sie haben nie die Europapokal-Finalteilnahme geschafft, aber sie haben Spanien verändert. Wer nennt sie Versager?“

Die Frage bleibt im Raum hängen wie der letzte Eckball von Luka Modrić. Guardiola will sie nicht beantworten, er will sie auslöschen. „Wenn wir morgen rausfliegen, trinke ich einen Wein, gratuliere Carlo Ancelotti und plane die nächste Saison. Denn das ist unser Job: weitermachen.“

Die Uhr tickt. 90 Minuten trennen City vom Aus. Aber vielleicht auch nur 90 Minuten davon, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen, ohne das Gewicht des Muss. Guardiola hat die Rechnung aufgemacht: Real Madrid gewann 15 von 68 Champions-League-Teilnahmen. Also verlor der Klub 53 Mal. „Wer zählt die Nächte, an denen sie nicht jubelten? Niemand. Weil sie wieder zurückkamen.“

Morgen Abend wird im Etihad keine Mannschaft verlieren. Eine wird nur früher nach Hause fahren. Und Guardiola wird an seiner Seitenlinie stehen, die Arme verschränkt, das Gesicht eines Mannes, der weiß: Die Geschichte wird nicht von Siegern geschrieben, sondern von denen, die nach Niederlagen wieder auftauchen.