Grob schlägt erneut zu: schweizer speed-duo dominiert europacup-wochenende

Sieben Zehntel fehlten auf Nadine Fest, doch Stefanie Grob lächelte trotzdem: Die 21-jährige St. Gallerin fuhr sich beim Super-G in Saalbach den zweiten Podestplatz binnen 24 Stunden und katapultiert die Schweizer Skirennläuferinnen in die vorderste Europacup-Riege.

Ein sieg, ein zweiter platz – und ein team, das mitrast

Was Harald Steiner an diesem Samstagabend in der Trainer-Box erlebte, war keine Einzelleistung, sondern ein kollektives Schweizer Feuerwerk. Hinter Grobs Silber platzieren sich mit Daria Zurlinden (Rang 5), Jasmin Mathis (9) und Alina Willi (10) drei weitere Eidgenossinnen in den Top-Ten – ein Resultat, das selbst die mitgereisten ÖSV-Delegierten vor Neid erblassen ließ.

Die Zeitreihe verrät, warum sich die Ostschweizerin mittlerweile zum Fest-Schrecken der Austrianer entwickelt: Mit 1,28 Sekunden Vorsprung auf die Drittplatzierte Fabiana Dorigo verwies Grob die deutsche Spitzhüterin beinahe in die Bedeutungslosigkeit. Viermal stand die Schweizerin in dieser Saison auf dem Podest, zweimal davon an diesem Wochenende. Die Formkurve zeigt steil nach oben – und das genau viereinhalb Wochen vor dem WM-Qualifikationsfenster.

Die geduld der st. gallerin zahlt sich aus

Die geduld der st. gallerin zahlt sich aus

„Wir haben den Speed-Bereich in den letzten zwei Jahren neu aufgestellt“, sagte Grob nach dem Rennen. „Die Arbeit mit Material-Techniker Martin Koller war anfangs ein Geben und Nehmen. Heute weiß ich, warum sich das Rumprobieren gelohnt hat.“ Ihre Startnummer 23 erwies sich als Glück: Die Piste lag im Schatten der Bernkogel-Felswand, die Spur blieb hart, und die Österreicherin Fest konnte ihre frühe Startposition nicht in einen unangreifbaren Vorsprung ummünzen.

Was folgte, war ein Schweizer Schlussspurt mit Weltcup-Format. Mathis, erst 19 Jahre alt, fuhr persönliche Bestzeit und kratzte mit 1,45 Sekunden Rückstand an der Top-Fünf. Willi, die nach einem Kreuzbandriss wieder angreift, bewies mit Rang zehn, dass die Rehabilitations-Mühsal nicht umsonst war. „Wir haben dieses Jahr keine Einzelkämpferinnen, sondern eine Gruppe, die sich gegenseitig pusht“, bilanziert Cheftrainerin Karin Riesch.

Der blick nach vor: in kvitfjell könnte die titel-frage fallen

Der blick nach vor: in kvitfjell könnte die titel-frage fallen

Die Europacup-Gesamtwertung ist noch offen, doch Grob hat mit jetzt 369 Punkten die Pole-Position übernommen. Das nächste Speed-Double findet bereits in zwei Wochen in Kvitfjell statt – jenem norwegischen Olympia-Klassiker, der vor allem wegen seiner langen Flachpassagen die Technik-Crews vor große Rätsel stellt. Wer dort zweimal unter die Top-3 fährt, dürfte vor den Finalrennen in Soldeu praktisch unangreifbar sein.

Die Schweizer Delegation bricht mit dem Freitagserfolg im Gepäck auf – und mit der Gewissheit, dass die Speed-Hoffnungen nicht länger allein auf Corinne Suter und Lara Gut-Behrami ruhen. „Wir sind bereit, auch in der zweiten Reihe anzugreifen“, sagt Grob. Die Zeitung, die am Sonntagmorgen in Saalbach erscheint, dürfte ihr dabei recht geben: „Grob & Co. – Europas neue Speed-Queen kommt aus dem Thurgau“ steht auf Seite eins. Eine Prognose, die sich mit jedem Rennen mehr zur Gewissheit verfestigt.