Gremaud fällt aus – schweizer slopestyle-königin wankt kurz vor dem finale

Mathilde Gremaud wird nicht in Tignes starten. Die 26-Jährige, die in Mailin-Cortina Gold holte, leidet monatelang an Rückenschmerzen – ein Sturz im Big-Air-Training während der Spiele nagt noch immer an ihrer Wirbelsäule. Für die Schweizer Delegation kommt der Verzicht zum falschesten aller Zeitpunkte: Vor dem Weltcup-Finale in Silvaplana steht plötzlich die Gesamtwertung auf des Messers Schneide.

Rücken statt riesentricks – die versteckte verletzung

Was nach einem harmlosen Sturz aussah, entpuppt sich als strukturelle Belastungsfolge. Gremauds Muskelkorsett reagiert auf Schmerzimpulse, die beim Drehen um 1260 Grad unkontrollierbare Zuckungen auslösen. „Wir sprechen hier von Mikrotraumen in den Tiefen der Rückenstabilisatoren“, erklärt ein Freestyle-Kollege, der anonym bleiben will. „Wenn die Zuckung kommt, weißt du nicht, ob du board- oder kopfüber landest.“

Die Konsequenz: Tignes, eine Station, auf der Gremaud zuletzt dominierte, bleibt ohne ihre Startnummer. Swiss-Ski bestätigte die Absage knapp 48 Stunden vor dem ersten Training. Die Entscheidung fiel intern bereits vor einer Woche, wurde aber publikumswirksam zurückgehalten – um Konkurrentin Marin Hamill keine zusätzliche Planungssicherheit zu geben.

Duell silvaplana – hamill wartet mit punktegleichstand

Duell silvaplana – hamill wartet mit punktegleichstand

Die US-Amerikanerin führt ebenfalls mit 340 Punkten, doch Gremaud besitzt die bessere Streichresultate-Bilanz. Ein Sieg auf heimischem Schnee würde ihr den Kristall in der Slopestyle-Wertung garantieren – sofern sie überhaupt fahren kann. „Wir arbeiten mit Physiotherapeuten und Osteopathen an einer 24-Stunden-Schmerzstrategie“, sagt Chef-Coach Ralph Walti lapidar. Man wolle „kein Risiko eingehen, das die Saison 26/27 gefährden könnte“.

Doch die Uhr tickt. Bis Silvaplana verbleiben nur zwei Wochen, und das Team um Gremaud muss täglich neue Belastungstests absolvieren. Sollte sie ausfallen, rutschte die Schweiz auf der Nationenwertung auf Rang drei ab – ein Debakel nach Jahren der Dominanz.

Die frage der nachhaltigkeit

Die frage der nachhaltigkeit

Freestyle-Sportler gelten als Wegwerfware: Ein Kreuzbandriss, ein Hüft-Impakt, ein Bandscheibenvorfall – Karriereende. Gremaud aber investierte eigenes Geld in Bio-Monitoring, Schlafkammer, Ernährungs-Coaching. Ihre Verletzung wirft ein Schlaglicht auf das Dilemma des modernen Action-Sports: Wer auf Höchstleistung trimmt, kann kaum auf Höchstgeschwindigkeit bremsen.

Die Athletin selbst schweigt auf Instagram, postet nur ein schwarzes Story-Bild mit einem einzigen Wort: „Pause.“ Fans überschütten sie mit Genesungswünschen, doch intern ist man skeptischer: „Wenn der Rücken nicht mitspielt, kann sie vergessen, 1080er safe zu landen“, sagt ein Teamarzt.

Die Verbandsführung hofft auf ein kleines Wunder. Denn Silvaplana ist mehr als ein Heimspiel – es ist Gremauds persönliche Mission, der Schweiz nach vier Jahren wieder den Gesamtweltcup zu sichern. Ohne sie droht ein Vakuum, das momentan niemand füllen kann.

Die nächsten zehn Tage entscheiden, ob die Olympia-Siegerin vom Monte-Rosa-Gletscher zum letzten Mal in dieser Saison auftritt. Die Faszination des Sports bleibt, aber die Physik macht keinen Centimeter nach. Und so wartet ganz Freestyle-Europa gespannt auf ein Signal aus dem Engadin – wo möglicherweise eine Ära endet oder eine weitere Krönung folgt.