20 Jahre, nummer 1, vertrag bis 2028 – irina fuchs schreibt kölner märchen weiter

Ein Last-Minute-Transfer, zwei verletzte Routiniers – und plötzlich hält eine 20-jährige Schweizerin den Kasten der Bundesliga-aufsteigerinnen sauber. 16 Spiele später krönt der 1. FC Köln Irina Fuchs mit einem Sechsjahresvertrag. Die Message: Schluss mit Provisorien, hier steht die Zukunft.

Von der vierten wahl zur festen größe

Als Lisa Schmitz und Aurora Mikalsen im Juli innerhalb von 48 Stunden ausfielen, schob Sportchefin Nicole Bender-Rummler hektisch die Akten. Fuchs’ Name stand auf einer Notliste, die eigentlich nur für Notfälle gedacht war. Ein halbes Jahr später ist aus dem Notnagel ein Diamant geworden: 69,6 % gehaltene Schüsse, Platz vier der Fangquote, erste Nominierung für die Schweizer A-Nationalmannschaft. Die Liga kennt sie nun als „Ice“ – weil sie in wichtigen Momenten einfach nicht schmilzt.

Die Zahlen sind hart, aber die Geschichte weich. Fuchs packt es in einem Satz: „Ich dachte, ich lerne erstmal von Lisa und Aurora – stattdessen lerne ich jeden Tag vom Spiel.“ Ihre Eltern schickten ihr Videos aus dem Berner Oberland, in denen Freunde auf Alphütten mit Köln-Fähnchen wedeln. Der Klub spielte die Gefühlskarte: neue Wohnung, Deutsch-Kurs, Stammtisch mit Schweizer Kaffee – und ein Vertrag, der sie bis 20228 an den Rhein bindet. Länger als jedes andere Torhüter-Bindungspapier in der Klubhistorie.

Interne konkurrenz wird zur luxusbank

Interne konkurrenz wird zur luxusbank

Für Schmitz und Mikalsen beginnt der härteste Teil ihrer Karriere. Beide haben nach ihrer Rückkehr ins Training gemerkt: Die Nummer 1 ist vergeben, und sie ist 20. Trainerin Britta Carlson nennt das „ein Luxusproblem mit scharfen Kanten“. Die beiden erfahrenen Keeperinnen trainieren auf Weltniveau, wissen aber, dass jede Minute zwischen den Pfosten von Fuchs’ Fitness abhängt. Carlson: „Wir werdendrei Torfrauen auf Topniveau halten, Punkt. Wer mault, fliegt raus – egal wie viele Länderspiele auf dem Pass stehen.“

Der Effzeh plant bereits mit Fuchs als Markenfigur. Im Sommer kommt ein Jugendcamp, das auf sie zugeschnitten ist: „Ice-Camp – Cool bleiben wie Irina“. Sponsoren buchen sie für Pixel-Werbung, die Vereinshymne wird neu eingespielt – Stimme: Irina Fuchs. Der Klub will junge Mädchen auf dem Schulhof erreichen, nicht nur auf dem Tribünenblock.

Nächster stopp: nationalteam und europacup

Nächster stopp: nationalteam und europacup

Die Schweizer Delegation um Coach Pia Sundhage hat Fuchs bereits für die EM-Quali gegen die Niederlande vorgemerkt. Ihre Lernkurve zeigt nach oben, weil sie in Köln mit Männer-Bundesliga-Torhütern trainiert – Extraeinheiten nach dem offiziellen Training, organisiert von Torwartcoach Michael Mutzel. „Wenn sie so weitermacht, reden wir 2025 von 75 % gehaltenen Schüssen“, sagt Mutzel. „Dann ist sie nicht nur national, sondern europaweit ein Thema.“

Der 1. FC Köln spielt nächste Saison erstmals um den Europacup-Platz mit. Für Fuchs heißt das: internationale Bühne, Live-Streams in der Heimat, mögliche Duelle mit Barcelona oder Lyon. Ihr Vertrag bis 2028 wirkt da wie ein Frühkaufzertifikat: Je größer die Bühne, desto höher der Marktwert – und der Klub hält die Hälfte. Geschäftsführerin Bender-Rummler verschickt bereits interne Mails mit dem Betreff „Ice Age 2.0“.

Am Dienstag unterschrieb Fuchs im Klubbüro, danach ging’s zur Mannschaftsgymnastik. Keine Sekunde Gänsehaut, kein Tränentuch. Stattdessen ein Satz, der ihren Charakter trifft: „Ich habe noch nichts gewonnen – nur den Arbeitsplatz gesichert.“ In Köln glauben sie fest daran, dass dieser Arbeitsplatz künftig Pokale und Trikots mit Sternchen produziert. Die Ice Age hat gerade erst begonnen.