Gislason zieht trotz krimi sein punkto-fazit: dhb-team überlebt ägypten-doppel
34:33 – die Zahlen flimmerten, das Herz des Isländers klopfte. Zwei Siege, ein Seufzer. Alfred Gislason sah seine deutschen Handballer nach 120 Minutengegen den Afrikameister erst zittern, dann jubeln. Die Botschaft: Wir sind auf Kurs, aber die letzte Viertelstunde war ein Warnschuss.
Die halbzeit, die alles versprach
19:13 zur Pause – das war kein Ergebnis, das war eine Demonstration. Sechs Gegentore in 30 Minuten, eine Abwehr, die Ägypten die Luft abschnürte. Gislason: „Die war insgesamt sehr gut. Die Abwehr war überragend.“ Für 30 Minuten spielte Deutschland Handball, wie er in den Lehrbüchern steht – schnell, variabel, gnadenlos effizient.
Dann kam der Rückrundentiefschlag. Drei Zeitstrafen innerhalb von sieben Minuten, dazu Ballverluste wie Dominosteine. Aus 24:18 wurde blitzschnell 26:24. Gislason nahm seine Auszeit, schüttelte nur den Kopf. „Wir verlieren ein bisschen den Faden“, sagte er später, aber die Körpersprache verriet mehr: Verdrossenheit über Nachlässigkeit.

Die ägypten als prüfstein
75 Tore in zwei Spielen – das ist Offensiv-Feuerwerk. Dennoch nagt die Erkenntnis: Die letzte Halbzeit war ein Stresstest. „Die Ägypter sind eine Weltklasse-Mannschaft. Die wirst du nicht ganz kleinmachen können“, so Gislason. Er sagt es wie ein Mann, der weiß, dass WM-Gegner Frankreich oder Schweden genau diese Schwächephase wittern werden.
Die deutsche Siegesserie währt, aber die Lücken sind sichtbar. Zweikampfverhalten nach der Pause, Kreislauf-Lastverteilung, Temposchwankungen – das sind Details, die zwischen Achtelfinale und vorzeitiger Heimreise entscheiden. Gislason wird die Videos zerschneuten, die Zahlen zerlegen. Sein Fazit bleibt dennoch klar: „Wir können stolz sein.“
Punkt. Keine Frage, kein Ausblick. Die Handball-Wintermärchen-Tickets sind weiter gültig, doch die Lernliste ist lang. Wenn Deutschland im Januar die K.o.-Phase erreicht, wird man sich an diesem Sonntag erinnern – an die Halbzeit, die alles versprach, und an die zweite, die warnte.
