Gislason wirft den haken: 63 sekunden, die den dhb jetzt zittern lassen

Alfred Gislason hat gesprochen. 63 Sekunden. Kein Wort zu viel, kein Ton zu laut. Doch die Botschaft knallt wie ein Kreiswurf ins Kreuz der Verbandschefs: Er will bleiben. Auch nach der Heim-WM 2027, obwohl sein Vertrag dann abläuft und viele ihn schon zum Abschied winkten.

Warum diese härtetests gegen ägypten mehr sind als nur testspiele

Donnerstag, Dortmund, 18.15 Uhr. Sonntag, Bremen, 15.30 Uhr. Zwei Termine, die plötzlich wie ein Bewerbungsgespräch auf Rasen wirken. Gislason steht vor der Sonntagsfrage des deutschen Handballs: Weitermachen oder Abschied? Er selbst macht keinen Hehl daraus. „Ich habe nie versteckt, dass ich gerne weitermachen würde“, sagt der Isländer, der seit 2020 die deutsche Nationalmannschaft coacht. Und schiebt den Ball damit ein für alle Mal in das Feld des Deutschen Handball Bundes.

Die Rechnung ist simpel: Je besser die Bilanz gegen den Afrikameister, desto größer der Druck auf den DHB. Die Junta um Präsident Andreas Michelmann muss sich positionieren. Eine Vertragsverlängerung für den 66-Jährigen? Oder ein neuer Impuls für eine junge Truppe, die sich gerade erst an die Weltspitze zurückgekämpft hat?

Silber, em-zweiter – und trotzdem wurde gezweifelt

Silber, em-zweiter – und trotzdem wurde gezweifelt

Olympia-Silber 2021, Europameister-Zweiter 2024 – die Erfolge sprechen für Gislason. Dennoch blieb der Makel: Spielweise zu zäh, Aufstellungen zu konservativ, Coaching zu emotionsarm. Die Kritik war manchmal so laut, dass sie die Erfolge übertönte. Die Mannschaft aber blieb stabil. Juri Knorr, der neue superstarke Rückraum, stellt sich demonstrativ hinter seinen Coach. „Was wir erreicht haben, ist auch seine Handschrift“, sagt Knorr. Ein Satz, der wie ein Handschlag in Richtung DHB-Zentrale wirkt.

Gislason selbst schielt bereits nach 2028. Los Angeles. Die Stadt, in der er 1984 als Spieler schon unter den Ringen stand. Ein Kreis, der sich schließen könnte. „Solange ich glaube, etwas geben zu können, das hilft, mache ich weiter“, sagt er. Keine Bitte, keine Forderung. Eine Feststellung.

Die gretchenfrage lautet nicht mehr „ob“, sondern „wie lange“

Die gretchenfrage lautet nicht mehr „ob“, sondern „wie lange“

Der DHB schweigt sich aus. Keine offizielle Stellungnahme, keine Timeline. Intern wird getuschelt: Braucht der Verband nach der Heim-WM einen jüngeren Trainer, der die nächste Generation formt? Oder darf der „ewige Alfred“ weitermachen, weil er die Gegenwart so erfolgreich gemacht hat? Die Antwort liegt nicht in Dortmund oder Bremen. Sie liegt in München und Köln, wo im Januar die EM steigt. Ein Turnier, das plötzlich zum Endspiel um die Zukunft wird.

Gislason hat seinen Part erledigt. 63 Sekunden, die alles gesagt haben. Nun ist der DHB am Zug. Und wenn die Entscheidung fällt, wird sie lauter knallen als jeder Sieg gegen Ägypten. Denn dann steht fest: Entweder endet eine Ära – oder sie wird fortgeschrieben, bis nach L.A.