Gipfel in genf endet mit schalem nachgeschmack: nba und euroleague reden nur, pokern aber

Gestern früh, 9:15 Uhr Ortszeit, betraten Chus Bueno und George Aivazoglou die FIBA-Zentrale in Genf – und verabschiedeten sich sieben Stunden später mit demselben Händedruck, mit dem sie sich begrüßt hatten. Kein Memorandum, kein Terminkalender, nicht mal ein Buzzword über „Zusammenarbeit“. Die heiß erwartete Begegnung von Euroleague und NBA zur Zukunft des europäischen Profi-Basketballs verflüchtigte sich in Höflichkeiten und Powerpoint-Folien.

Kein fusionswunsch, kein zeitplan – nur selbstinszenierung

Die NBA präsentierte erneut ihre Liste der Wunschstädte: Madrid, Barcelona, London, Manchester, Paris, Lyon, Mailand, Rom, Berlin, München, Athen, Istanbul. Fehlt nur noch: ein einziger Club, der sich öffentlich zu einem Engagement verpflichtet hätte. Stattdessen verwies Aivazoglou auf 120 „Investoren-Interessensbekundungen“ und „mehr als 20 vorhandene Teams“, darunter Euroleague-Teilnehmer, die bis Ende Mai vertraglich zusagepflichtig sein sollen. Doch jede Zusage kann laut internen Papieren, die EF vorliegen, per Klausel platzen, sollte sich die NBA nicht die besten TV- und Sponsorendeals sichern.

Die Euroleague kontert mit harten Fakten: Zehn der 13 A-Lizenz-Clubs – darunter Anadolu Efes, Baskonia, Barcelona, Maccabi, Olimpia Mailand, Olympiakos, Panathinaikos, Bayern, Zalgiris und derzeit suspendiertes ZSKA – unterschrieben kürzlich eine Zehn-Jahres-Bindung. Wer vorzeitig abwandert, zahlt zehn Millionen Euro Strafe. Fenerbahçe will nachgeben, ASVEL Villeurbanne ist finanziell zu klein, und Real Madrid? Schweigt. Genau dieses Schweigen lässt die NBA-Führung nervös zappeln.

Real madrid hält den schlüssel – und weiß es

Real madrid hält den schlüssel – und weiß es

Mehr als 500 Millionen globale Follower, ein Markenwert, der jedes Sponsoren-Kalkül sprengt: Ohne den spanischen Rekordmeister drohen der NBA-Europe 120 Briefe nur Papier zu bleiben. Interne Modelle zeigen, dass einige Investmentfonds ihre Beteiligung direkt an die Teilnahme Madrids koppeln. Deshalb flüstert man in Manhattan sogar über eine Befreiung von Franchise-Gebühren oder gar eine Anzahlung an die Königlichen. „Wir würden uns freuen, wenn Real Teil unseres Ökosystems wird“, sagte Aivazoglou vorsichtig. Übersetzt: Wir sind bereit zu zahlen, nur komm.

Doch Florentino Pérez spielt auf Zeit. Er sieht die überfüllte Kalenderwoche, das Risiko eines Imageschadens und die wachsende Unruhe in der Euroleague. „May decides“ – so lautet das interne Motto der NBA. Ende Mai muss Real Madrid, müssen Bayern, Olympiakos & Co. sich festlegen: neue Liga oder erweiterte Heimat? Wer zuerst unterschreibt, erhält vermutlich den besten Stuhl. Wer wartet, könnte draußen sitzen, falls die NBA doch noch mit der Euroleague kollidiert.

Die Genfer Verhandlungen haben eines offengelegt: Beide Lager pokern mit offenen Karten, aber niemand legt den Joker hin. Solange Real Madrid nicht spricht, bleibt die europäische Basketball-Landschaft ein Schachbrett ohne Springer. Und die Uhr tickt. Ende Mai schlägt sie Zwölf – dann wird klar sein, ob 2027 wirklich eine NBA-Europe startet oder nur ein teures Luftschloss bleibt.