Gällivare-drama im skicross: maier krönt rekordsaison, himmelsbach fliegt raus

Kristallklare Zahlen, aber bittere Tränen: Daniela Maier schraubt sich auf 1.033 Weltcup-Punkte, zieht mit neun Podestplätzen die beste Saison ihrer Karriere auf – und muss trotzdem den Rekordwintern der übermächtigen Sandra Näslund applaudieren. Im schwedischen Gällivare, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises, kippte das Finale der Skicross-Gladiatoren vom Triumph zum Schicksal.

Die 30-jährige Uracherin landete hinter Näslund und der Französin Marielle Berger Sabbatel auf Rang drei – dieselbe Konstellation, die vor zwei Monaten in St. Moritz Olympia-Gold für Maier bedeutete. Diesmal blieb nur Bronze, doch die Botschaft ist klar: Sie hat sich in die Weltspitze eingeschrieben, mit einer Konstanz, die vor Jahren noch undenkbar war.

Himmelsbach rast ins finale – und fliegt raus

Bei den Männern lieferte Kilian Himmelsbach die wohl spektakulärste Kurve des Tages. Der 23-jährige Allgäuer, erst am Vortag erstmals auf dem Podest gestanden, riss sich in den Final-Heat, rutschte innen an der ersten Roll-Drift vorbei, lag beim Take-off zur Doppelsprung-Kombi sogar auf Silberg-Kurs. Dann verfing sich sein rechter Ski unter dem Linken des Italieners Edoardo Zorzi, beide Piloten drehten sich um die eigene Achse, stoben wie verrückte Kreisel ins Netz der Sicherheitszaune. Zorzi wurde noch Dritter, Himmelsbach Vierter – kein Podest, aber ein Statement: Der DSV hat einen neuen Kämpfer, der sich in die Top-Welt traut.

„Ich habe gespürt, wie der FIS-Judge schon den Daunenarm hob, um mir Bronze zuzuweisen – dann war alles nur noch weiß“, sagte Himmelsbach nach dem Rennen. Die Sturzstelle blutete leicht, das Adrenalin aber wirkte wie Kaffee auf Leer Magen. „Nächste Saison bin ich wieder hier, versprochen.“

Deutsche männer bleiben hinter den erwartungen

Deutsche männer bleiben hinter den erwartungen

Während Himmelsbaum die Aura des Aufbruchs verbreitet, bleibt der Rest des Kaders auf der Strecke. Jonas Bachl-Staudinger und Florian Fischer scheitern bereits im Achtelfinale, Niklas Illig verabschiedet sich im Viertelfinale. Die Bilanz: kein weiterer deutscher Mann in den letzten acht. Das Podium der Männer entscheiden sich zwischen Reece Howden (Kanada) und Simone Deromedis (Italien) – mit einem Zehntel Sekunde Vorsatz sprintet der Italiener zum Sieg.

Die Saison 2025/26 ist damit beendet, die Vorhänge fallen über Gällivare. Doch wer die Leistungskurven studiert, erkennt: Deutschland hat mit Maier und Himmelsbach zwei Anker, an denen sich der kommende Winter ausrichten kann. Die große Kristallkugel bleibt in Schweden, die Hoffnung aber wandert nach Süden – ins Allgäu und auf die Schwäbische Alb.