Gaitán packt aus: „bei atlético kam ich nie an – heute ist mein leben kein rasen mehr“

Er war der Spielmacher, der Benfica träumen ließ – und dann verschwand Nicolas Gaitán still aus Europas Rampenlicht. Jetzt, beim Benefiz-Kick gegen Borussia Dortmund in Dortmund, zog der Argentinier das Trikot der Lissaboner Legenden wieder an. Dazwischen liegen sechs goldene Jahre in Portugal, ein missglückter Sprung zu Atlético Madrid und ein Leben jenseits des Strafraums. Ein Gespräch über Scheitern, Vaterschaft und die Frage, warum der Ball manchmal einfach nicht mitspielt.

Der fluch des nachfolgers: warum gaitán bei atlético nie di maría wurde

8,4 Millionen Euro kostete Benfica den Transfer 2010. Auf dem Papier ein Schnäppchen. Auf dem Platz eine Bankrotterklärung für jeden, der Ángel Di María ersetzen sollte. Gaitán lacht heute, doch damals war der Vergleich ein Vollzeitjob. „Ich kam als Flügelspieler, verließ als Playmaker“, sagt er. 253 Spiele, 41 Treffer, drei Meistertitel – und trotzdem blieb das Label „der Neue Di María“ kleben.

2016 zog Atlético die Option. 25 Millionen Euro. Diego Simeone wollte einen Dribbler, bekam aber einen Denker. „Neuer Trainer, neue Ideen, neue DNA“, sagt Gaitán. „Ich lief plötzlich ohne Ball, wo ich zuvor den Ball trug.“ 29 Pflichtspiele in zwei Saisons. Kein Tor in LaLiga. Die Statistik ist ein Spiegel, der lügt nicht. „Ich weiß bis heute nicht, was schiefgelaufen ist. Aber Fußball ist Alltag. Und der Alltag war grau.“

Kind statt kick: warum gaitán die trainerlizenz verstaubt ließ

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Keine Tränen, kein Zickenkrieg. Gaitán nahm den Stuhl, nicht die Schere. Nach Stationen in China, den USA und Lissabons zweiter Garnitur endete 2022 die Karriere. Die Familie ruft. Drei Söhne, alle unter zehn. „Ich habe die Zeit mit ihnen geopfert, damit der Ball mich nicht wieder raubt“, sagt er. Mit Javier Saviola lacht er über ein gemeinsames Trainer-Duo – aber nur, wenn die Kinder erwachsen sind. „Heute ist mein Platz auf der Tribüne, nicht an der Seitenlinie.“

Die Fußball-Welt dreht sich weiter. Atlético trifft auf Barcelona in der Champions League – Gaitán wird zuschauen. „Diese Spiele sind das Salz in der Suppe. Jeder Spieler würde für eine Nacht wieder tauschen.“ Auch er? Er zuckt mit den Schultern. „Ich tausche nichts. Ich habe gewonnen, ich habe verloren. Aber ich habe gelebt.“

Die Legenden-Partie in Dortmund endet 3:3. Gaitán spielt 70 Minuten, gibt eine Vorlage. Danach unterschreibt er Trikots, nicht Verträge. „Die neuen Generationen sollen sehen, dass wir einmal ihre Helden waren. Aber mein Leben ist kein Rasen mehr – er ist ein Spielplatz. Und der hat keine Abseits-Fahne.“