Freiburg gegen bayern: schuster will den mythos vom 11-jahres-fluch zerstören
Julian Schuster lacht nicht, wenn er an den 8. März 2014 denkt. Damals saß der heutige SC-Freiburg-Trainer 90 Minuten auf der Bank, sah zu, wie seine Kollegen den FC Bayern mit 2:1 schlugen – und ahnte nicht, dass dieser Tag für die nächste Dekade zur Trophäe verkommen würde. Seitdem hat der Sport-Club 17 Pflichtspiele gegen die Münchner verloren, zwei remis gemacht, null Siege geholt. Samstag, 15.30 Uhr, ist Schluss damit. „Wir werden leiden“, sagt Schuster, „aber wir werden auch lächeln.“
Der april, der alles verschluckt
Die Statistik ist ein Vampir, der Energie saugt. Elf Jahre ohne Dreier gegen Bayern, dazu ein Programm, das selbst Google-Kalender vor Erschöpfung zittert lässt: Celta Vigo im Europa-League-Viertelfinale, VfB Stuttgart im DFB-Pokal-Halbfinale, Liga-Ziel Platz sechs. Drei Fronten, neun Tage, ein Kader. „Wenn ich morgens aufstehe, muss ich an die drei Wettbewerbe denken, sonst werde ich wieder ins Bett fallen“, sagt Schuster. Die Spieler nennen den Monat intern „April-Ausnahmezustand“, die Medienabteilung hat bereits zwei zusätzliche Physiotherapeuten angeheuert.
Bayern ist nur der erste Schluck aus der Pulle. Schuster hat die Analyse selbst gemacht, keine externe Agentur. Er zeigte seinen Profis 47 Szenen, in denen Bayern nach Ballverlust drei Sekunden lang verwundbar ist. „Das sind unsere drei Sekunden“, sagt er im Kinozimmer der Dreisam-Akademie. Die Spieler bekamen Popcorn, keine Notizen. „Wer zuerst aufschreibt, verpasst das Bild“, lautet Schusters Devise.TAG9 Schuster erinnert sich
Die bank als zeitmaschine
Freiburgs Geheimnis ist keine Taktik, sondern eine Tabelle: Die Mannschaft hat in dieser Saison 23 Punkte nach Rückstand geholt, mehr als jeder andere Klub Europas. „Wir sind Weltmeister im Aufstehen“, sagt Kapitän Christian Günter. Die Bayern kassierten in 2026 bereits 13 Gegentore nach Standards, Freiburg erzielte 18 Treffer nach Eckbällen. Die Zahlen flüstern: Es könnte klappen.

Die 47. minute und das ende des fluchs
Schuster hat keinen Plan B. „Plan A muss so gut sein, dass kein Plan B nötig ist“, sagt er. Er wird Lucas Höler in der 47. Minute auf die Seite rufen, ihn zwingen, die Lücke zwischen Upamecano und Kim zu erzählen. Er wird Vincenzo Grifo sagen, dass seine Freistöße keine Kunstwerke sind, sondern Werkzeuge. Und er wird Matthijs de Ligt in den Augen suchen, um ihm zu zeigen, dass auch Giganten blinzeln.
Am Samstagabend wird entweder der Fluch enden oder der April beginnen. Für Schuster gibt es kein dazwischen. „Wenn wir gewinnen, schreibe ich eine WhatsApp an mein altes Handy von 2014“, sagt er. „Wenn nicht, lösche ich die alten Fotos.“ Die Kiste ist gepackt, Celta Vigo wartet schon. Aber zuerst steht Bayern auf dem Programm. Und vielleicht, nur vielleicht, lacht Schuster dann doch.
