Frankfurts frauen fallen in bremen in sich zusammen – traum von titel und cl platzt?

Ein 2:0 wurde zur 2:4-Katastrophe. Die Eintracht-Frauen schenkten Werder Bremen drei Tore, den Anschluss an die Spitze – und vielleicht die ganze Saison.

Trainer Niko Arnautis stand vor dem Mikro des hr-Sport, die Stimme sackte tiefer mit jedem Satz: „Wir müssen das jetzt erst einmal verdauen.“ Noch vor einer Woche hatte Sportdirektorin Babett Peter von zwei Titeln und der Champions-League-Qualifikation gesprochen. Jetzt raucht der Rasen noch nach, und schon steht die Eintracht mit dem Rücken zur Wand.

Die bremer pleite ist keine einfache niederlage

Sie ist ein Bruch. Nach 60 Minuten dominierten die Hessen, ließen den Ball laufen, trafen die Pfosten – und gingen mit zwei Toren in der Tasche in die Kabine. Dann kam der Kollektiv-Blackout: Ein Sonderangebot nach dem anderen, dazu verlorene Zweikämpfe, ein verschossener Elfmeter. „Wir schenken dem Gegner die Tore“, sagte Arnautis, und man hörte, wie sehr ihn das nagt.

Die Tabelle wirkt wie ein Kommentar ohne Filter: Platz vier, ein Punkt hinter Werder, drei hinter Hoffenheim – und das mit einer Partie mehr auf dem Konto. Die Konkurrenten riechen Blut. Die Eintracht riecht Rauch.

Mittwoch wird zum endspiel vor dem endspiel

Mittwoch wird zum endspiel vor dem endspiel

Am Mittwoch (18 Uhr, Stadion am Brentanobad) empfangen die Frankfurterinnen die TSG Hoffenheim. Gewinnen sie, springen sie zumindest vorübergehend auf Rang drei, der Europacupbleibt erreichbar. Verlieren sie, ist die Lücke zu Platz drei auf sechs Punkte angewachsen – bei noch fünf Spielen. Dann wäre sogar das Minimalziel Europa in Gefahr, und der Women’s European Cup bliebe die letzte Rettungsplank.

Doch auch dort wartet mit BK Häcken ein Gegner, der in Schweden 23 Ligaspiele in Folge nicht verlor. Die „geile Saison“ könnte zur Geisterfahrt werden.

Arnautis weiß, dass seine Mannschaft erst wieder lernen muss, „Spiele zu toten“. Die 0:2-Pleite in Wolfsburg war unglücklich, aber akzeptabel. Die 2:4 in Bremen war selbst gemacht – und deshalb gefährlich. Sie nagt am Selbstvertrauen, und das zeigte sich schon in kleinen Gesten: nach dem 3:2 schlugen einige Spielerinnen die Hände über den Kopf, statt nachzulegen. Der Coach sprach von „Fehlern in der Kopfballverteidigung“, vom „Fehlen der zweiten Welle“, von „fehlender Cleverness“.

Was hilft, ist die Enge der Liga. Zwischen Platz zwei und fünf liegen drei Punkte. Das ist Fluch und Segen zugleich. Ein Sieg gegen Hoffenheim rückt alles zurück in Reichweite. Eine Niederlage würde die Saison endgültig entzaubern.

Die Fans haben schon Mittwoch-Karten gebunkert, die Nachfrage ist dreimal so hoch wie vor zwei Wochen. Sie wollen sehen, ob ihre Mannschaft noch einmal aufsteht – oder ob Bremen der erste Riss war in einem Kartenhaus, das bis Mai komplett einstürzen könnte.

Arnautis hat keine Zeit mehr für große Reden. „Wir müssen liefern“, sagt er. Liefern oder Abschied nehmen vom Traum. Die Uhr tickt laut in Frankfurt. Noch fünf Liga-Spiele, ein Pokal-Halbfinale, vielleicht zwei. Dann ist Sommer – und mit ihm die Bilanz. Entweder stehen die Frauen der Eintracht im Europacup-Finale oder sie stehen da, was sie am Samstag in Bremen waren: mit leeren Händen und offenen Mündern.