Frankfurt-marathon 2027: jetzt kämpfen zwei um die straßen der mainmetropole

Der altehrwürdige Frankfurt-Marathon steht vor einem Scherbenhaufen und einem Neuanfang zugleich. Nach 24 Jahren alleiniger Regentschaft bekommt Veranstalter motion events erstmals ernsthafte Konkurrenz – und die kommt aus der eigenen Stadt.

Fsa wirft den hut in den ring

Die erst vor wenigen Monaten gegründete Frankfurter Sportagentur (FSA) um den ehemaligen Zehnkampf-Europameister Andreas Bechmann hat offiziell ein Konzept für 2027 eingereicht. Kernforderung: weg vom Hochglanz-Event für Kenianer und Äthiopier, hin zur Volks- und Vereinsbewegung. „Wir wollen den Marathon wieder auf die Frankfurt laufen lassen“, sagt Bechmann. Statt Startgelder zu kassieren, plant die FSA ein Spendenmodell: zehn Prozent des Überschusses fließen direkt in lokale Sportprojekte.

Der Move kommt nicht von ungefähr. Die bisherige Leitung um Jo Schindler hatte den Lauf seit 2002 kontinuierlich internationalisiert – mit Weltklassezeiten, aber auch mit Startgebühren jenseits von 100 Euro und einem Feld, das zu 70 Prozent aus dem Ausland reist. Die Folge: Frankfurts Vereine schickten immer weniger eigene Läufer, Zuschauerzahlen entlang der Strecke sanken. Die Stadt winkte bisher durch, weil kein Alternativanbieter existierte.

London kauft ein, schindler steigt aus

London kauft ein, schindler steigt aus

Parallel zur FSA-Bewerbung verkaufte Schindler seine Agentur an London Marathon Events. Mit im Boot: Gründer Hugh Brashes und Finanzchefin Jeannette Wong. Für Schindler ist es ein Nachrufer-Verkauf, er gibt auch den Job als Renndirektor ab. „Ich konnte mir kein besseres Zuhause vorstellen“, sagt er. Die Briten bringen KI-gestützte Zielkameras, neue Sponsoren-Pipelines und globale TV-Rechte-Deals mit – alles Dinge, die den Frankfurt-Marathon auf die gleiche Erfolgsschiene wie London bringen sollen.

Die Stadt Frankfurt muss nun erstmals eine offizielle Ausschreibung starten. Intern rechnet man mit einem Drei-Monats-Verfahren, das heißt: 2027 kann nur gewechselt werden, wenn die Entscheidung noch vor dem Sommer fällt. Sonst bleibt motion events im Sattel – allerdings bereits mit britischem Geld und neuen Geschäftsführern.

Eintracht und sportkreis springen auf den regionalzug

Eintracht und sportkreis springen auf den regionalzug

Bechmanns Plan hat prominenten Rückenwind. Roland Frischkorn, Chef des Sportkreises Frankfurt, unterstützt das FSA-Modell öffentlich. Auch Eintracht Frankfurt positioniert sich: Armin Kraaz, zuständig für Amateur- und Nachwuchssport, lobt den „Fokus auf regionale Verankerung“. Die Botschaft ist klar: Ein Verein mit 53.000 Mitgliedern will keine Hochglanz-Show, sondern ein Volksfest.

Die Zahl, die bleibt: 25.000. So viele Starter könnten 2027 auf dem Römerberg stehen – egal, wer das Rennen letztlich organisiert. Ob sie für 120 Euro Startgeld durch die Mainzer Straße jagen oder für 65 Euro plus Spende durch den Nordend laufen, entscheidet sich noch in diesem Jahr. Die Stadt hat das Heft nun endlich wieder in der Hand.