Francesco coco packt aus: „die inter-fans beschimpften mich als maldini“
Er trug beide Mailänder Trikots, verlor aber alle fünf Derbys – und hört heute noch die Schmähsprüche. Francesco Coco, 47, spricht erstmals offen über den Hass der Curva, die verpatzte Bandscheiben-OP – und warum Roberto Carlos ihn in die Weltklasse stellte.
Vom liebling zum verräter in 48 stunden
Coco war kein Transfer wie jeder andere. 2002 wechselte er vom AC Mailand zum Inter, obwohl Coach Ancelotti ihn zurückholen wollte. „Ich sagte Carlo zwei Stunden lang am Telefon ab. Das Schlimmste, was man tun kann“, lacht er heute bitter. Der Grund: Beim FC Barcelona hatte er gespielt, doch die italische Nationalmannschaft rief. „Ich wollte zurück in die Serie A, das war Priorität.“ Dass Inter dafür Seedorf abgab, empörte damals die Tifosi – und machte Coco zum Zielscheibe.
Die ersten Monate beim Stadtrivalen waren purer Spott. „In San Siro hört man jeden einzelnen Fluch. Nach jedem Fehler: ‚Milanista di mer…!‘ Sie sahen mich wie Maldini, nur in schwarz-blau. Das war keine Rivalität mehr, das war persönlich.“

Drogen-vorwürfe statt medizinischer fehler
2004 zerbrach seine Karriere an einem OP-Tisch. „Die Bandscheibe, Dezember 2004. Ein Monat sollte es dauern, ich war zwei Jahre weg.“ Statt Mitgefühl gab es Gerüchte über Kokain-Konsum. „Die Leute dachten, ich hätte keine Lust. Dabei war mein Muskel einfach abgestorben. Heute noch ist er halb so groß wie früher.“
Die Inter-Mediziner hatten einen Nerv verletzt; Coco ging mit 29 in Rente. „Vor der OP war ich laut Roberto Carlos einer der drei besten Außenverteidiger der Welt. Das hat er in Marca gesagt, nicht ich.“

Kein tor, kein sieg – und trotzdem legende
Null Siege in fünf Derbys, kein einziger Schuss aufs Tor – das nagt noch. „Ich habe mir das Tor tausend Mal im Kopf vorgestellt. Nie kam die Chance. Das ist mein einziger wirklicher Makel.“
Heute betreibt Coco eine Sportagentur in Genua. Wer ihn fragt, ob er bereut, bekommt eine klare Antwort: „Ich bereue nur, dass ich nie traf. Den Rest habe ich überlebt – und die Songs der Curva auch.“
