Forster schaltet nach super-g-patzer sofort auf angriff um
Cortina d'Ampezzo – ein Sturz, ein Fluch, ein Neustart. Anna-Lena Forster ließ den Super-G-Frust nicht einmal eine Nacht wirken. Statt zu hadern, schraubt sie sich selbst aufs neue Podest – und zwar mit dem Selbstvertrauen einer Frau, die schon Gold im Gepäck hat.
„Ich muss gas geben, sonst bin ich chancenlos“
Die 30-jährige Radolfzellerin sprach kein Wort über Pech oder Eis. Stattdessen nannte sie das einzige Rezept, das in der Kombination aus Super-G und Slalom zählt: Tempo. „Audrey nimmt keine Gefangenen. Wenn ich nicht voll decke, ist das Rennen gelaufen“, sagt sie und meint damit Audrey Pascual Seco, die Spanierin, die ihr im Super-G die Spur weggenommen hatte. Nun will Forster die Spur zurückerobern – und dabei die Linie der Konkurrentin studieren, „einfach neu angreifen“.
Die Goldmedaille im Slalom von Peking? Abgehakt. „Die kann mir keiner mehr nehmen“, sagt sie mit dem Lächeln einer Athletin, die weiß: Erinnerungen schützen nicht vor der nächsten Hälfte Sekunde. Deshalb trainierte sie noch am Abend des Ausfalls ein paar Schwünge, „richtig gute“, wie sie betont. Technik statt Trauer.

Kurze ski, lange ziele
Donnerstag lockt der Riesenslalom, Samstag der Slalom – ihre Domäne. „Dann werden die Skier wieder kürzer, und ich fühle mich wie zu Hause“, sagt Forster. Trotzdem schwärmt sie von den Speedrennen in Cortina: „Die machen echt Spaß, aber ich bin happy, wenn ich wieder auf meine Kurzen steigen kann.“
Die Kombination beginnt um 9.00 Uhr – und sie beginnt mit einem Mentalbild: Forster, aufrecht im Monoski, Vollgas geben, Sekundenbeträge jagen. Sie hat nicht vor, Pascual Seco ein zweites Mal davonziehen zu lassen. Wer sie kennt, weiß: Ihre Antwort auf Niederlagen heißt Angriff. Die Kurve danach ist meist golden.
