Fiorentina kämpft ums überleben – 90 mio. euro verpufft
Neunzig Millionen Euro im Sommer ausgegeben, und trotzdem steht die Fiorentina elf Spieltage vor Schluss auf dem drittletzten Tabellenplatz der Serie A. Was als ambitioniertes Aufbauprojekt gedacht war, droht sich in ein finanzielles Desaster zu verwandeln – mit dem Abstieg als schlimmstmöglichem Ausgang.
Ein kader gebaut für einen trainer, der längst weg ist
Der eigentliche Fehler passierte schon im Juli. Die Viola formte ihre Mannschaft rund um Stefano Pioli – und der hielt gerade mal drei Monate durch. Was bleibt, ist ein teuer zusammengekauftes Ensemble, das nun unter völlig anderen Vorzeichen um den Klassenerhalt zittern muss. Das ist kein Pech. Das ist strukturelles Versagen in der Planung.
Der teuerste Einkauf des Sommers war Roberto Piccoli, geholt vom Cagliari für 25 Millionen Euro als Backup für Moise Kean. Ergebnis nach einer halben Saison: 1.600 Spielminuten, fünf Tore – davon nur zwei in der Liga. Für einen Spieler mit diesem Preisschild ist das schlicht zu wenig. Dann kamen noch Simon Sohm für 15 Millionen aus Parma und Jacopo Fazzini für 9 Millionen aus Empoli dazu. Dazu die Festverpflichtungen von Gudmundsson, Fagioli und Gosens. Die Rechnung wurde lang.

Verletzung, abgänge und ein sommer, den man lieber vergessen würde
Nicht alles lief nur schlecht – manches lief katastrophal. Tariq Lamptey, der letzte Sommerzugang, riss sich am Tag seines ersten Startelfeinsatzes Ende September das vordere Kreuzband im linken Knie. Zuvor hatte er gerade einmal 26 Minuten gespielt. Kaum zu glauben, aber wahr.
Im Januar musste der Klub dann nachbessern, was im Sommer versäumt wurde. Sohm wanderte zu Bologna, Dzeko wurde freigestellt, Viti und Nicolussi Caviglia verließen Florenz ebenfalls. Fünf Neuzugänge kamen auf Leihbasis: Rugani, Brescianini und Fabbian – deren Verbleib an den Klassenerhalt geknüpft ist – sowie Solomon und Harrison mit einfacher Kaufoption.

Kean verdient jetzt mehr als doppelt so viel – und liefert er auch?
Was in dieser Geschichte gerne übersehen wird: Nicht nur die Ablösesummen fraßen das Budget auf. Auch die Gehaltserhöhungen schlagen durch. Moise Kean kassiert inzwischen 5 Millionen Euro pro Jahr – zuvor waren es 2,2 Millionen. David De Gea stieg von 1,2 auf 3,5 Millionen. Auf der Einnahmenseite? Gerade mal 22 Millionen, davon 17 aus dem Verkauf von Kayode an Brentford. Die Bilanz ist eindeutig negativ.
Florenz steht jetzt vor zwei wegweisenden Spielen gegen Parma und Cremonese. Wer jetzt noch glaubt, dass Geld allein Abstiegskampf gewinnt, hat den Fußball nie wirklich verstanden. Die Fiorentina hat eine Kaderbreite für Europa – und spielt gerade um ihr Leben in der ersten Liga. Das ist die bittere Wahrheit hinter den Millionen.
