Fillon maillet zieht durch bis 2030: „ich will in den alpen noch einmal gold küssen“
Quentin Fillon Maillet schiebt den Rücktritt auf. Mit 37 will der Franzose vor heimischer Kulisse in den Alpen seine fünf Olympia-Ringe um einen sechsten erweitern – und das, während er neben der Piste Windeln wechselt.
Der fünffache Goldmedaillengewinner trainiert seit Wochen mit Pulsbremse statt Pulsfrequenz, weil seine Partnerin Lydie Mitte Juli ihr erstes Kind erwartet. „Ich liebe Lydie, ich liebe meinen Sport“, sagt er der Nachrichtenagentur AFP, „und ich werde mich nicht zwischen beiden entscheiden.“
Die zahlen sprechen für ihn
In Peking war er mit 29 noch der Schnellste auf Skis. In Mailand-Cortina, mit 33, lief er trotz drei Goldmedaillen in Antholz wieder Spitzenzeiten. Sein Wattwert? 6,2 Watt/kg im Rollski-Test – ein Wert, den selbst Norwegens Superstar Johannes Thingnes Bö nur in Spitzenwochen erreicht. Fillon Maillet lacht trocken: „Warum also nicht mit 37?“
Die Spiele 2030 in den französischen Alpen sind kein Nebenschauplatz mehr, sondern sein Hauptziel. „Wenn ich einen Vierjahreszyklus eingehe, dann nicht für zwei Wochen Spaß, sondern für ein ganzes Projekt“, präzisiert er. Dahinter steckt ein Plan, der so kühn ist wie seine Einzelstarts: Er will zeigen, dass Vaterschaft und Spitzensport kein Widerspruch sind – sondern ein Multiplikator.
Beispiele gibt es: Justine Braisaz-Bouchet holte Gold, nachdem ihr Sohn Henri geboren wurde. Martin Fourcade kehrte nach der Babypause mit zwei Kristallkugeln zurück. Fillon Maillet kennt die Geschichten, er will seine eigene schreiben.

Der französische verband zittert – und jubelt
Frankreichs Skibund hält die Luft an. Sein Verzicht würde ein Loch hinterlassen, das kein Nachwuchsathlet so schnell füllt. Bleibt er, könnte der Biathlon-Weltcup 2027 in Le Grand-Bornand zur nationalen Kirmes werden. Sponsoren buchen schon heute Kontingente für die Alpen-Spiele, auf der Strecke steht „Fillon Maillet“ in Leuchtschrift.
Er selbst trainiert in Pra-Loup, dort wo er als Teenager seine ersten Flachbahnen fuhr. Die Gletscher-Loipe öffnet um 5 Uhr, er ist um 4.45 Uhr da. Keine Show, nur Schweiß. „Ich bin immer noch sehr fit“, sagt er, und wer seinem Pulsmonitor über die Schulter blickt, glaubt ihm aufs Wort.
Die Konkurrenz schaltet in den Alarmmodus. Norwegen hat begonnen, seine Langlaufzeiten in interne Datenbanken zu kopieren. Deutschland reist künftig mit zwei Physiologen statt einer, um Fillon Maillets Laktatkurven zu entschlüsseln. Der Franzose nimmt’s mit einem Galgenhumor: „Wenn sie meine DNA wollen, sollen sie mir eine Urkunde schicken.“
Kurz vor Ende des Interviews fällt ein Satz, der so ungeschminkt ist wie seine Haarsträhne, die unter der Mütze hervorquillt: „Olympiasieger zu werden ist selten. Eltern zu werden ist normal. Beides gleichzeitig – das ist verrückt. Aber ich bin bereit für dieses Verrückte.“
2030 wird er 37 Jahre alt sein. Die Piste in den Alpen wird steil, die Windeln sicher auch. Wer dann in Anterselva oder Ruhpolding denkt, Fillon Maillet sei Geschichte, sollte wissen: Er wetzt schon die Stechkanten für seine letzte, längste, lauteste Heimspiel-Saison.
